Excel Finanzplanung: Schritt-für-Schritt Anleitung

Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

Zuletzt aktualisiert

Von der ersten Tabelle bis zum vollständigen 3-Statement-Modell – hier findest Du Anleitungen für jedes Level. Jede Anleitung enthält konkrete Schritte, die Du direkt in Excel umsetzen kannst.

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Für Einsteiger

Liquiditätsplan in Excel erstellen (Grundlagen)

Ein Liquiditätsplan beantwortet die wichtigste Frage jedes Unternehmers: Habe ich genug Geld auf dem Konto?

Was Du brauchst: Excel oder Google Sheets, Kontoauszüge der letzten 3–6 Monate.

Schritt 1: Tabellenstruktur anlegen

  • Monate als Spalten (Jan–Dez)
  • Kategorien als Zeilen (Einnahmen, Ausgaben, Salden)
  • Erste Zeile: Anfangsbestand

Schritt 2: Anfangsbestand eintragen

  • Aktueller Kontostand als Startpunkt in Zelle B2
  • Formel für Folgemonate: =VORHERIGER_ENDBESTAND

Schritt 3: Einnahmen erfassen

  • Umsätze nach Produktlinie/Service
  • Fördermittel und Kapitalzuflüsse
  • Wichtig: Immer nach erwartetem Zahlungseingang planen (nicht Rechnungsdatum!)

Schritt 4: Ausgaben erfassen

  • Fixkosten: Miete, Gehälter, Versicherungen (jeden Monat gleich)
  • Variable Kosten: Marketing, Dienstleister, Material
  • Steuern: USt-Vorauszahlung (quartalsweise), Gewerbesteuer

Schritt 5: Endbestand berechnen

=Anfangsbestand + SUMME(Einnahmen) - SUMME(Ausgaben)

Schritt 6: Bedingte Formatierung

  • Endbestand-Zellen rot färben, wenn < 0
  • Gelb, wenn < 10.000 € (oder Dein individueller Schwellenwert)

Schritt 7: Diagramm erstellen

  • Linienchart mit Endbestand über alle 12 Monate
  • Zusätzlich: Balkendiagramm mit Einnahmen vs. Ausgaben pro Monat

Zeitaufwand: ~2 Stunden für den Aufbau, danach 30–60 Min/Woche für die Pflege.

Zur Liquiditätsplanung →


Cashflow-Rechnung aufbauen (Direkte Methode)

Die direkte Methode ist die intuitivste Art, Deinen Cashflow zu berechnen: Du listest alle tatsächlichen Ein- und Auszahlungen auf.

Operative Einzahlungen:

  • Kundenzahlungen (aus Rechnungen)
  • Zinserträge
  • Steuererstattungen

Operative Auszahlungen:

  • Lieferanten und Dienstleister
  • Gehälter und Sozialabgaben
  • Miete und Nebenkosten
  • Steuerzahlungen (USt, Gewerbesteuer)

Investitions-Cashflow:

  • Anlagenkäufe (Computer, Maschinen, Büroausstattung)
  • Anlagenverkäufe

Finanzierungs-Cashflow:

  • Kreditaufnahme / Kreditrückzahlung
  • Eigenkapitalzuführung (z. B. Gesellschaftereinlage)

Ergebnis: Netto-Cashflow = Veränderung des Kontostands in der Periode.

Mehr zur Cashflow-Berechnung →


Für Fortgeschrittene

Szenarioplanung mit Datentabellen

Szenarien helfen Dir, Risiken und Chancen zu quantifizieren, bevor sie eintreten.

Schritt 1: Eingabezelle definieren z. B. Umsatzwachstum in Zelle B2 (aktueller Wert: 5 %)

Schritt 2: Ergebniszelle definieren z. B. Endbestand Dezember (Zelle N14)

Schritt 3: Varianten anlegen Spalte mit alternativen Werten:

  • -10 % (Worst Case)
  • 0 % (Stagnation)
  • 5 % (Base Case)
  • 15 % (Best Case)
  • 25 % (Aggressive Growth)

Schritt 4: Datentabelle erstellen

  1. Markiere die Varianten + Ergebnisformel
  2. Daten → Was-wäre-wenn-Analyse → Datentabelle
  3. Eingabezelle: B2

Schritt 5: Ergebnis interpretieren Du siehst sofort, wie sich jede Wachstumsrate auf Deinen Endbestand auswirkt.

Pro-Tipp: Für zwei Variablen gleichzeitig (z. B. Umsatzwachstum × Zahlungsziel) nutze die 2D-Datentabelle.


Rolling Forecast aufbauen

Ein Rolling Forecast schreibt die Planung jeden Monat um einen Monat fort – statt einmal jährlich zu planen.

Warum Rolling Forecast?

  • Die Jahresplanung ist ab Q3 nur noch historisch relevant
  • Ein Rolling Forecast ist immer aktuell
  • Bessere Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen

Aufbau:

  1. Planungshorizont: Immer 12 Monate ab dem aktuellen Monat
  2. Ist-Daten: Abgeschlossene Monate mit echten Zahlen überschreiben
  3. Plan-Daten: Restliche Monate mit aktualisierten Annahmen planen
  4. Soll-Ist-Vergleich: Abweichungen analysieren und Annahmen anpassen
  5. Update-Rhythmus: Monatlich, idealerweise in der ersten Woche

Praktischer Tipp: Erstelle ein separates Blatt für den Soll-Ist-Vergleich. Nutze =(IST-PLAN)/PLAN für die prozentuale Abweichung und bedingte Formatierung bei > 10 % Abweichung.


Für CFOs & Finance-Teams

3-Statement-Modell in Excel

Das Königsmodell der Finanzplanung – GuV, Bilanz und Cashflow-Rechnung, vollständig verknüpft.

Schritt 1: GuV aufbauen

Umsatz
  − Herstellungskosten
= Bruttoergebnis
  − Betriebsausgaben (Personal, Miete, Marketing)
= EBITDA
  − Abschreibungen
= EBIT
  − Zinsen
= EBT
  − Steuern
= Jahresüberschuss

Schritt 2: Bilanz aufbauen

  • Aktiva: Anlagevermögen + Umlaufvermögen (Forderungen, Vorräte, Cash)
  • Passiva: Eigenkapital + Fremdkapital (Verbindlichkeiten, Rückstellungen)
  • Prüfformel: =Summe(Aktiva) - Summe(Passiva) muss immer 0 ergeben

Schritt 3: Cashflow-Rechnung (indirekte Methode)

Jahresüberschuss (aus GuV)
  + Abschreibungen (nicht zahlungswirksam)
  ± Working-Capital-Veränderungen
= Operativer Cashflow
  − Investitionen
= Free Cashflow
  ± Finanzierungs-Cashflow
= Netto-Cashflow

Schritt 4: Verknüpfungen herstellen (der kritische Teil)

  • GuV → Bilanz: Jahresüberschuss erhöht das Eigenkapital
  • Bilanz → Cashflow: Veränderungen in Forderungen, Verbindlichkeiten, Vorräten
  • Cashflow → Bilanz: Endbestand Cash = liquide Mittel in der Bilanz

Zeitaufwand: 1–2 Tage für den Aufbau. Danach ist es das mächtigste Planungsinstrument – aber auch das fehleranfälligste.


Excel-Finanzplanung aufbauen: Der 3-Phasen-Plan

Phase 1: Setup (Tag 1–2)

Ziel: Grundstruktur steht, erste Zahlen sind drin.

  1. Datei anlegen: Ein Workbook mit Blättern für: Annahmen, Einnahmen, Ausgaben, Liquidität, Dashboard
  2. Annahmen-Blatt: Alle Variablen zentral pflegen (Steuersatz, Zahlungsziel, Wachstumsrate, Inflationsannahme)
  3. Kategorien definieren: Einnahmen (Umsatz Produkt, Service, Sonstige) und Ausgaben (Gehälter, Miete, Marketing, Software, Steuern, Investitionen)
  4. Bankdaten importieren: Letzte 3–6 Monate Kontoauszüge als Basis
  5. Ist-Daten eintragen: Abgeschlossene Monate mit echten Zahlen füllen

Phase 2: Build (Tag 3–5)

Ziel: Modell berechnet automatisch, Szenarien sind möglich.

  1. Formeln aufbauen: SUMME, WENN, SVERWEIS für automatische Berechnungen
  2. Liquiditätsplan verknüpfen: Anfangsbestand + Einnahmen − Ausgaben = Endbestand
  3. Bedingte Formatierung: Warnschwellen definieren (gelb < 10.000 €, rot < 0 €)
  4. Szenarien anlegen: Base Case kopieren, Annahmen variieren (±20 % Umsatz)
  5. Dashboard erstellen: Linienchart (Cashflow), Balkendiagramm (Einnahmen vs. Ausgaben), Kennzahlen (Burn Rate, Runway)
  6. USt-Berechnung: Quartalsweise Vorauszahlung automatisch berechnen

Phase 3: Review & Maintain (laufend)

Ziel: Modell bleibt aktuell und entscheidungsrelevant.

  1. Wöchentlich: Bankdaten aktualisieren, neue Transaktionen eintragen
  2. Monatlich: Soll-Ist-Abgleich, Forecast anpassen, Monatsabschluss-Checkliste durchgehen
  3. Quartalsweise: Quartals-Review, Annahmen validieren, Szenarien aktualisieren
  4. Jährlich: Modell-Audit, Struktur prüfen, ggf. Upgrade auf spezialisierte Software evaluieren

Zeitaufwand pro Woche: 30–60 Minuten (wenn das Modell sauber aufgebaut ist).


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