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Fixkosten und variable Kosten: Beispiele und Berechnung

Fixkosten fallen an, egal wie viel verkauft wird. Welche Positionen dazugehören, wie man Mischkosten aufteilt und was der Break-even damit zu tun hat.

·9 min Lesezeit
Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

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Auf einen Blick: Fixkosten fallen an, egal wie viel ein Betrieb produziert oder verkauft — Miete, Grundgehälter, Versicherungen. Variable Kosten bewegen sich mit der Menge. Die Unterscheidung entscheidet über den Break-even, über die Preisuntergrenze und darüber, wie lange ein Betrieb einen Umsatzeinbruch aushält.

Was Fixkosten sind

Fixkosten sind Kosten, die unabhängig von der Beschäftigung anfallen — also unabhängig davon, wie viel produziert oder verkauft wird. Die Miete für die Werkstatt kostet dasselbe, ob eine Maschine läuft oder zehn.

Das häufigste Missverständnis steckt im Wort: fix heißt nicht unveränderlich, sondern beschäftigungsunabhängig. Eine Miete kann steigen, ein Versicherungsbeitrag sich ändern, ein Leasingvertrag auslaufen. Fix ist sie, weil sie sich nicht bewegt, wenn der Umsatz sich bewegt.

Variable Kosten sind das Gegenstück: Sie verändern sich mit der Menge. Material, Fremdleistungen, Versandkosten, Verkaufsprovisionen.

Fixkosten und variable Kosten im Vergleich

FixkostenVariable Kosten
Verhaltenbleiben gleich, wenn die Menge sich ändertsteigen und fallen mit der Menge
Bei null Umsatzfallen trotzdem anfallen weg
Je Stücksinken mit steigender Mengebleiben gleich
BeispieleMiete, Grundgehälter, Versicherungen, Leasing, Software-AbosMaterial, Fremdleistungen, Versand, Provisionen
Kurzfristig steuerbarkaum — Verträge und Kündigungsfristenja, über die Menge
Wofür man sie brauchtBreak-even, Reichweite, PreisuntergrenzeDeckungsbeitrag je Auftrag

Die Zeile, die im Alltag zählt, ist die zweite. Fixkosten sind der Betrag, den ein Betrieb in einem Monat ohne einen einzigen Auftrag bezahlen muss. Das macht sie zur wichtigsten Zahl in jeder Liquiditätsbetrachtung.

Welche Kosten wo hingehören

Die Zuordnung ist keine Eigenschaft der Kostenart, sondern des Geschäfts. Dieselbe Position kann in zwei Betrieben verschieden liegen:

PositionMeist fixMeist variabelKommt darauf an
Miete, Pacht
Grundgehälter, Sozialabgaben
Löhne mit Stundenkonten, Aushilfen✓ je nach Vertrag
Material, Waren, Rohstoffe
Fremdleistungen, Subunternehmer
Verkaufsprovisionen
Versand, Verpackung
Versicherungen, Beiträge
Leasing Fahrzeuge, Maschinen
Software-Abos✓ bei nutzungsabhängigen Tarifen
Energie✓ Grundpreis fix, Verbrauch variabel
Steuerberatung✓ bei Abrechnung nach Aufwand

Die letzte Spalte ist kein Ausweichen. Wer Energie oder Personal pauschal einer Seite zuschlägt, rechnet den Break-even falsch — und zwar in die angenehme Richtung.

Mischkosten und wie man sie aufteilt

Kosten mit festem und variablem Anteil heißen Mischkosten oder semi-variable Kosten. Der Telefonvertrag mit Grundgebühr plus Gesprächsminuten ist das Standardbeispiel, der Energievertrag mit Grundpreis und Arbeitspreis das häufigere.

Aufteilen lassen sie sich mit dem Hoch-Tief-Verfahren: Man nimmt zwei Perioden — die mit der höchsten und die mit der niedrigsten Menge — und rechnet.

Variabler Kostensatz = (Kosten hoch − Kosten niedrig) ÷ (Menge hoch − Menge niedrig) Fixer Anteil = Kosten niedrig − (Menge niedrig × variabler Kostensatz)

Ein erfundenes Rechenbeispiel: Bei 1.000 Einheiten fallen 800 € an, bei 1.600 Einheiten 1.040 €.

  • Variabler Satz = (1.040 − 800) ÷ (1.600 − 1.000) = 240 ÷ 600 = 0,40 € je Einheit
  • Fixer Anteil = 800 − (1.000 × 0,40) = 400 €

Gegenprobe bei 1.600 Einheiten: 400 + (1.600 × 0,40) = 1.040 €. Stimmt.

Das Verfahren ist grob — es benutzt zwei Punkte und ignoriert alles dazwischen. Für die Frage „wie viel von dieser Rechnung ist eigentlich fix" reicht es, für eine Kalkulation auf den Cent nicht.

Gebundene und disponible Fixkosten

Für die Praxis ist eine zweite Unterteilung wichtiger als die erste, weil sie sagt, woran man im Ernstfall überhaupt drehen kann:

Gebundene FixkostenDisponible Fixkosten
Was sie sindvertraglich oder betrieblich zwingendvom Management frei entschieden
BeispieleMiete, Leasing, Grundgehälter, VersicherungenMarketing, Weiterbildung, Beratung, Messen
Kurzfristig kürzbarnein, nur zum Kündigungsterminja, sofort
Was das Kürzen kostetoft gar nicht möglichWirkung, die erst später fehlt

Wenn es eng wird, wird zuerst der rechte Teil gestrichen — weil er der einzige ist, der sich streichen lässt. Das ist richtig und hat einen Preis, den man kennen sollte: Disponible Fixkosten sind meist die, die künftigen Umsatz erzeugen.

Deshalb ist das Verhältnis der beiden Blöcke eine eigene Information. Ein Betrieb, dessen Fixkosten fast vollständig gebunden sind, hat im Abschwung keinen Hebel.

Fixkosten berechnen

Alle Zahlen hier sind ein erfundenes Rechenbeispiel.

Ein Dienstleister listet seine monatlichen Fixkosten:

PositionBetrag
Miete2.400 €
Grundgehälter inkl. Sozialabgaben12.000 €
Versicherungen350 €
Leasing Fahrzeuge900 €
Software-Abos450 €
Steuerberatung (Pauschale)400 €
Sonstiges500 €
Summe17.000 €

Die variablen Kosten liegen bei 38 % vom Umsatz. Bei 60.000 € Monatsumsatz:

  • Variable Kosten = 60.000 × 38 % = 22.800 €
  • Deckungsbeitrag = 60.000 − 22.800 = 37.200 € (Deckungsbeitragsquote 62 %)
  • Ergebnis = 37.200 − 17.000 = 20.200 €

Daraus folgt die Zahl, wegen der man das rechnet:

  • Break-even-Umsatz = Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote = 17.000 ÷ 0,62 = rund 27.400 €

Unterhalb von 27.400 € Monatsumsatz macht dieser Betrieb Verlust — unabhängig davon, wie gut die einzelnen Aufträge kalkuliert sind. Mit den eigenen Zahlen rechnet das der Break-Even-Rechner aus.

Fixkostendegression

Weil die Fixkosten in Summe gleich bleiben, sinkt ihr Anteil je verkaufter Einheit, wenn die Menge steigt. Das heißt Fixkostendegression.

Im Beispiel oben: Bei 60.000 € Umsatz tragen die Fixkosten 28,3 % des Umsatzes, bei 100.000 € nur noch 17 %. Derselbe Betrag, andere Wirkung.

Das erklärt zwei Dinge, die im Alltag verwirren. Warum Wachstum die Marge verbessert, ohne dass irgendetwas günstiger eingekauft wurde. Und warum ein Umsatzrückgang so schnell wehtut: Die Degression läuft rückwärts genauso.

Welche Wirkung das auf den Cashflow hat, zeigt sich zeitversetzt — die Kosten fallen sofort an, der Umsatz kommt mit dem Zahlungsziel.

Was Fixkosten für die Liquidität bedeuten

Hier ist der Punkt, an dem die Kostenrechnung in die Zahlungsfähigkeit übergeht.

Die monatlichen Fixkosten sind der Betrag, der auch dann vom Konto geht, wenn einen Monat lang nichts hereinkommt. Damit sind sie der Nenner der einzigen Zahl, die in einer Krise zählt:

Reichweite in Monaten ≈ verfügbare Liquidität ÷ monatliche Fixkosten

Im Beispiel: 60.000 € verfügbar geteilt durch 17.000 € Fixkosten ergibt gut drei Monate ohne jeden Umsatz. Das ist eine harte, überprüfbare Zahl — und sie sagt mehr über die Lage als jede Umsatzprognose.

Zwei Einschränkungen dazu, damit die Rechnung nicht schöner aussieht, als sie ist. Sie unterstellt, dass keine variablen Kosten mehr anfallen, was bei laufenden Aufträgen nicht stimmt. Und sie unterstellt, dass die Fixkosten in dem Monat auch tatsächlich in dieser Höhe abfließen — Quartalsbeiträge und Vorauszahlungen verteilen sich unregelmäßig. Wer es genau wissen will, rechnet nicht mit einem Durchschnitt, sondern schreibt die Zahlungen mit Datum fort: Das ist Liquiditätsplanung, der Liquiditätsrechner macht die schnelle Fassung davon, und eine Liquiditätsplanungs-Software hält die Fixkosten fortlaufend mit.

Fixkosten im Betrieb und im Haushalt

Der Begriff wird für beides benutzt, und die Suchergebnisse mischen es entsprechend. Gemeint ist jeweils dasselbe Prinzip — Ausgaben, die unabhängig vom Verhalten anfallen —, aber die Rechnung dahinter ist eine andere.

Im Haushalt sind Fixkosten Miete, Strom, Versicherungen, Abos: Man stellt sie dem Einkommen gegenüber und schaut, was übrig bleibt. Im Betrieb stellt man sie dem Deckungsbeitrag gegenüber und bekommt einen Break-even. Diese Seite beschreibt den betrieblichen Fall.

Häufig gestellte Fragen

Was sind Fixkosten einfach erklärt?

Fixkosten sind Ausgaben, die anfallen, egal wie viel ein Betrieb produziert oder verkauft — Miete, Grundgehälter, Versicherungen, Leasingraten. Sie fallen auch in einem Monat ohne einen einzigen Auftrag an. Das unterscheidet sie von variablen Kosten, die mit der Menge steigen und fallen.

Was ist der Unterschied zwischen fixen und variablen Kosten?

Fixe Kosten bleiben gleich, wenn sich die Menge ändert; variable Kosten bewegen sich mit ihr. Je Stück ist es umgekehrt: Fixkosten je Stück sinken mit steigender Menge, variable Kosten je Stück bleiben gleich. Bei null Umsatz fallen variable Kosten weg, Fixkosten nicht.

Wie berechnet man die Fixkosten?

Indem man alle beschäftigungsunabhängigen Positionen eines Monats addiert: Miete, Grundgehälter samt Sozialabgaben, Versicherungen, Leasing, Abos, feste Beratungspauschalen. Bei Mischkosten wie Energie wird nur der Grundpreis mitgezählt; der Verbrauchsanteil gehört zu den variablen Kosten.

Sind Gehälter fix oder variabel?

Grundgehälter sind fix — sie fallen unabhängig von der Auslastung an. Variabel werden Personalkosten dort, wo sie an die Menge gekoppelt sind: Aushilfen nach Bedarf, Stundenkonten, Provisionen, Subunternehmer. In vielen Betrieben liegt der größte Fixkostenblock im Personal, und genau deshalb ist eine Einstellung eine Entscheidung über den Break-even.

Ist Miete eine Fixkostenposition?

Ja. Die Miete ändert sich nicht mit der Produktions- oder Verkaufsmenge. Dass sie im Zeitverlauf steigen kann, macht sie nicht variabel — „fix" heißt beschäftigungsunabhängig, nicht unveränderlich.

Was sind Mischkosten?

Kosten mit festem und variablem Anteil, etwa ein Energievertrag mit Grundpreis und Arbeitspreis oder ein Telefonvertrag mit Grundgebühr und Minutenpreis. Aufteilen lassen sie sich näherungsweise mit dem Hoch-Tief-Verfahren aus zwei Perioden mit unterschiedlicher Menge.

Was ist der Unterschied zwischen gebundenen und disponiblen Fixkosten?

Gebundene Fixkosten sind vertraglich oder betrieblich zwingend — Miete, Leasing, Grundgehälter — und kurzfristig nicht kürzbar. Disponible Fixkosten wie Marketing, Weiterbildung oder Beratung entscheidet das Management frei und kann sie sofort streichen. Im Abschwung ist nur der zweite Block ein Hebel.

Wie hängen Fixkosten und Break-even zusammen?

Der Break-even-Umsatz ist Fixkosten geteilt durch die Deckungsbeitragsquote. Bei 17.000 € Fixkosten und einer Quote von 62 % liegt er bei rund 27.400 € Umsatz im Monat. Darunter entsteht Verlust, unabhängig davon, wie gut die einzelnen Aufträge kalkuliert sind.

Was sagen Fixkosten über die Liquidität?

Sie sind der Betrag, der auch ohne Umsatz vom Konto geht, und damit der Nenner der Reichweite: verfügbare Liquidität geteilt durch monatliche Fixkosten ergibt grob, wie viele Monate ein Betrieb ohne Einnahmen durchhält. Genauer wird es, wenn man die Zahlungen mit Datum fortschreibt statt mit einem Monatsdurchschnitt zu rechnen.