Cash Pooling ist ein Verfahren, mit dem Unternehmensgruppen die Guthaben und Sollsalden ihrer Gesellschaftskonten zusammenführen, um Zinsaufwand zu senken und ungenutzte Liquidität sichtbar zu machen. Statt dass eine Tochtergesellschaft Kontokorrentzinsen zahlt, während eine andere Guthaben nahezu unverzinst hält, wird der Saldo der Gruppe als Ganzes betrachtet.
Der wirtschaftliche Gedanke ist einfach. Die Umsetzung ist es nicht, weil beim Zusammenführen von Geld zwischen rechtlich selbstständigen Gesellschaften Fragen der Kapitalerhaltung, der Verzinsung und der Haftung entstehen.
Warum Gruppen überhaupt poolen
Sobald mehrere Gesellschaften mit eigenen Konten existieren, entsteht ein Zustand, den niemand entschieden hat: Die eine Gesellschaft steht im Soll und zahlt dafür, die andere im Haben und bekommt dafür fast nichts. Die Zinsdifferenz zwischen beiden Seiten ist der Preis dafür, dass das Geld getrennt liegt.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, der oft unterschätzt wird: Ohne Pooling kennt niemand die Liquidität der Gruppe. Jede Gesellschaft sieht ihr Konto, die Geschäftsführung sieht eine Summe, die erst durch manuelle Zusammenführung entsteht — meist mit Verzögerung. Wer poolt, sieht die Gruppe in einer Zahl.
Der dritte Grund ist Verhandlungsposition. Ein gebündelter Saldo ist gegenüber der Bank ein anderes Argument als fünf einzelne.
Die zwei Verfahren
Physisches Cash Pooling
Geld fließt tatsächlich. Die Salden der Einzelkonten werden auf ein Zielkonto der Muttergesellschaft oder einer Finanzierungsgesellschaft übertragen, in der Regel automatisch am Tagesende durch die Bank.
Zero Balancing stellt die Unterkonten dabei auf null. Target Balancing lässt einen vereinbarten Bodensatz stehen, etwa weil eine Gesellschaft ihre Löhne selbst zahlt.
Der entscheidende Punkt: Weil echtes Geld zwischen rechtlich getrennten Gesellschaften wandert, entstehen Darlehensverhältnisse. Die Tochter, deren Guthaben abgezogen wird, hat eine Forderung gegen den Pool-Führer. Umgekehrt ist eine Tochter, die Geld erhält, Schuldnerin. Das ist keine Buchungstechnik, sondern eine wirtschaftliche Beziehung mit allem, was daran hängt.
Virtuelles Cash Pooling
Auch Notional Pooling genannt. Hier fließt kein Geld. Die Bank rechnet die Salden nur zinstechnisch gegeneinander auf und berechnet Zinsen auf den Nettosaldo. Die Konten bleiben unberührt, es entstehen keine konzerninternen Darlehen.
Rechtlich ist das erheblich einfacher. Dafür bieten es nicht alle Banken an, und die Konditionen sind häufig schlechter, weil die Bank das Ausfallrisiko anders bewertet.
| Physisches Pooling | Virtuelles Pooling | |
|---|---|---|
| Geldfluss | ja, meist täglich | nein |
| Konzerndarlehen | entstehen | entstehen nicht |
| Rechtlicher Aufwand | hoch | gering |
| Zinsvorteil | in der Regel höher | geringer |
| Verfügbarkeit | verbreitet | nicht bei jeder Bank |
| Sichtbarkeit der Gruppenliquidität | vollständig | vollständig |
Was rechtlich zu klären ist
Die folgenden Punkte sind der Grund, weshalb Cash Pooling nicht nebenbei eingeführt wird. Sie gehören vor die Umsetzung — und in die Hände von Steuer- und Rechtsberatung, nicht in einen Ratgeber.
Kapitalerhaltung. Wenn eine GmbH Guthaben an die Muttergesellschaft abführt, berührt das die Vorschriften zur Erhaltung des Stammkapitals, für die GmbH insbesondere § 30 GmbHG. Der Gesetzgeber hat die Bewertung solcher Aufwärtsdarlehen mit dem MoMiG von 2008 an eine bilanzielle Betrachtung geknüpft — entscheidend ist seither, ob der Rückzahlungsanspruch gegen die Muttergesellschaft werthaltig ist. Genau diese Werthaltigkeit ist der Punkt, der laufend zu prüfen ist und nicht einmalig bei Vertragsschluss.
Angemessene Verzinsung. Konzerninterne Darlehen müssen einem Fremdvergleich standhalten. Wird zu niedrig oder gar nicht verzinst, ist das ein Thema für die Betriebsprüfung — mit Folgen für beide beteiligten Gesellschaften.
Krise und Insolvenz. Gerät eine Poolgesellschaft in Schieflage, stellt sich die Frage, wie mit ihren Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Pool umzugehen ist, und ob Zahlungen anfechtbar sind. Ein Pool-Vertrag sollte regeln, wann eine Gesellschaft ausscheidet — bevor der Fall eintritt.
Dokumentation. Ein schriftlicher Cash-Pool-Vertrag zwischen allen beteiligten Gesellschaften, der Verzinsung, Kündigung, Sicherheiten und Informationspflichten regelt, ist Voraussetzung und nicht Formalie.
Wie Cash Pooling mit der Bank eingerichtet wird
Die Durchführung übernimmt die Bank, die Regeln setzt die Gruppe. Die Einführung läuft in der Regel in dieser Reihenfolge:
- Teilnehmer festlegen. Welche Gesellschaften machen mit, und wer führt den Pool — meist die Muttergesellschaft oder eine eigene Finanzierungsgesellschaft. Nicht jede Gesellschaft muss teilnehmen.
- Verfahren wählen. Physisch mit Zero oder Target Balancing, oder virtuell. Dazu der Zeitpunkt der Übertragung, üblich ist das Tagesende.
- Konten ordnen. Das Zielkonto des Pool-Führers und die Konten der Teilnehmer liegen für den automatischen Ausgleich meist bei derselben Bank. Konten bei anderen Banken lassen sich über Überträge anbinden, das ist aufwendiger.
- Verträge schließen. Ein Vertrag mit der Bank über das Verfahren und ein Cash-Pool-Vertrag zwischen den Gesellschaften, der Verzinsung, Informationspflichten, Kündigung und das Ausscheiden in der Krise regelt.
- Verrechnung einrichten. Jede Übertragung wird bei beiden Gesellschaften als Forderung oder Verbindlichkeit gebucht, die Zinsen darauf regelmäßig abgerechnet.
- Laufend überwachen. Die Werthaltigkeit der Forderungen gegen den Pool-Führer ist keine Frage des Vertragsschlusses, sondern des laufenden Betriebs.
Was die Bank dafür verlangt, ist Verhandlungssache und hängt vom Umfang ab. Vergleichen lassen sich Angebote erst, wenn feststeht, wie viele Konten, Gesellschaften und Banken beteiligt sind.
Cash Pooling in der Bilanz
Beim physischen Cash Pooling verändert sich, was in der Bilanz jeder Gesellschaft steht. Das Guthaben einer Tochter, das auf das Zielkonto übertragen wird, ist danach kein Bankguthaben mehr, sondern eine Forderung gegen verbundene Unternehmen. Umgekehrt weist eine Gesellschaft, die aus dem Pool Geld bekommt, eine Verbindlichkeit gegenüber verbundenen Unternehmen aus. Die Zinsen auf diese Salden erscheinen als Zinserträge und Zinsaufwendungen aus verbundenen Unternehmen.
Im Konzernabschluss heben sich diese konzerninternen Forderungen und Verbindlichkeiten bei der Konsolidierung auf — sichtbar bleibt der Saldo der Gruppe gegenüber der Bank.
Beim virtuellen Pooling entstehen keine konzerninternen Darlehen; die Salden bleiben Bankguthaben und Bankverbindlichkeiten der einzelnen Gesellschaften. Wie im Einzelfall zu bilanzieren und zu verrechnen ist, klärst du mit deiner Kanzlei.
Was Cash Pooling für die Liquiditätsplanung bedeutet
Hier liegt der Teil, der in juristischen Darstellungen meist fehlt: Pooling verändert, wie ein Unternehmen seine eigene Liquidität liest.
Der Saldo einer einzelnen Gesellschaft sagt nichts mehr aus. Nach dem Zero Balancing steht dort null — unabhängig davon, ob die Gesellschaft im Monat Geld verdient oder verbrannt hat. Wer weiterhin auf Kontostände schaut, sieht ab dem Pooling gar nichts mehr.
Die relevante Größe wird die Forderung gegen den Pool. Sie ist es, die zeigt, welchen Beitrag eine Gesellschaft leistet oder welchen Bedarf sie hat. Eine Liquiditätsplanung je Gesellschaft muss diese Position abbilden, sonst plant sie an der Realität vorbei.
Zahlungsströme brauchen weiterhin ihre Herkunft. Ein gepoolter Konzern, der nur den Gruppensaldo plant, verliert die Fähigkeit zu erkennen, welche Einheit die Liquidität bindet. Die Frage „wer verbraucht das Geld" wird schwerer zu beantworten, nicht leichter — es sei denn, die Planung wird bewusst zweistufig geführt: je Gesellschaft und konsolidiert.
Praktisch heißt das: Wer poolt, braucht eine Planung, die mehrere Organisationen getrennt führt und zusammenrechnet. Eine Tabelle je Gesellschaft leistet das nicht mehr, sobald zwischen ihnen täglich Geld fließt. Wie sich die Zahlungsströme im Einzelnen steuern lassen, ist unter Cash Management beschrieben; die Grundlagen der Planung selbst unter Liquiditätsplanung.
Für wen sich das lohnt — und für wen nicht
Cash Pooling rechnet sich, wenn drei Dinge zusammenkommen: mehrere Gesellschaften mit eigenen Konten, gleichzeitig bestehende Soll- und Habensalden, und ein Zinsniveau, bei dem die Differenz spürbar ist.
Es lohnt sich nicht, wenn alle Gesellschaften ohnehin im Guthaben stehen und die Beträge klein sind — dann steht der laufende Aufwand für Vertrag, Dokumentation und Prüfung in keinem Verhältnis. Ebenso wenig, wenn eine der Gesellschaften wirtschaftlich wackelt: Dann verlagert Pooling Risiko, statt Kosten zu sparen.
Für Gruppen, die den Aufwand scheuen, aber die Gruppenliquidität sehen wollen, gibt es einen Zwischenweg: keine Geldbewegung, aber eine gemeinsame Sicht. Alle Konten angebunden, alle Gesellschaften in einer Planung, Salden konsolidiert dargestellt — der Informationsvorteil des Pooling ohne dessen rechtliche Fragen.
Wie so eine Gruppensicht in der Praxis aussieht — welche Gesellschaft sich selbst trägt und welche von den anderen getragen wird —, beschreibt Mehrere Gesellschaften, ein Liquiditätsbild.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Cash Pooling einfach erklärt?
Ein Verfahren, mit dem eine Unternehmensgruppe die Salden ihrer Gesellschaftskonten zusammenführt. Statt dass eine Gesellschaft Sollzinsen zahlt und eine andere unverzinstes Guthaben hält, wird der Saldo der Gruppe als Ganzes betrachtet. Beim physischen Pooling fließt dafür tatsächlich Geld, beim virtuellen rechnet nur die Bank die Salden gegeneinander.
Was ist der Unterschied zwischen physischem und virtuellem Cash Pooling?
Beim physischen Pooling werden die Guthaben tatsächlich auf ein Zielkonto übertragen, meist täglich; dabei entstehen Darlehen zwischen den Gesellschaften. Beim virtuellen Pooling bleibt das Geld auf den Konten, die Bank verrechnet lediglich die Zinsen auf den Nettosaldo. Virtuell ist rechtlich einfacher, physisch bringt in der Regel den größeren Zinsvorteil.
Was bedeutet Zero Balancing?
Die Variante des physischen Pooling, bei der die Unterkonten am Tagesende vollständig auf null gestellt werden. Beim Target Balancing bleibt stattdessen ein vereinbarter Betrag stehen, etwa damit eine Gesellschaft laufende Zahlungen selbst leisten kann.
Ist Cash Pooling in Deutschland erlaubt?
Ja, es ist verbreitete Praxis in Unternehmensgruppen. Beim physischen Pooling entstehen allerdings konzerninterne Darlehen, wodurch Kapitalerhaltungsvorschriften berührt werden — bei der GmbH insbesondere § 30 GmbHG — sowie Anforderungen an eine fremdübliche Verzinsung. Die Ausgestaltung gehört deshalb vor der Einführung in die Hände von Steuer- und Rechtsberatung.
Welche Risiken hat Cash Pooling?
Drei wiegen schwer: Die Werthaltigkeit des Rückzahlungsanspruchs gegen den Pool-Führer muss laufend gegeben sein, nicht nur bei Vertragsschluss. Eine unangemessene Verzinsung ist ein Thema für die Betriebsprüfung. Und gerät eine beteiligte Gesellschaft in die Krise, stellen sich Fragen der Anfechtbarkeit und des Ausscheidens, die der Vertrag vorher regeln sollte.
Ab wie vielen Gesellschaften lohnt sich Cash Pooling?
Es gibt keine feste Zahl. Ausschlaggebend ist, ob gleichzeitig Soll- und Habensalden bestehen und wie groß die Zinsdifferenz zwischen beiden Seiten ist. Zwei Gesellschaften mit dauerhaft gegenläufigen Salden können den Aufwand rechtfertigen, fünf Gesellschaften mit durchweg kleinen Guthaben nicht.
Wie verändert Cash Pooling die Liquiditätsplanung?
Grundlegend. Nach dem Zero Balancing steht auf den Konten der Tochtergesellschaften null, unabhängig von ihrem tatsächlichen Beitrag. Die aussagekräftige Größe wird die Forderung beziehungsweise Verbindlichkeit gegenüber dem Pool. Eine Planung muss deshalb zweistufig geführt werden: je Gesellschaft und konsolidiert.
Braucht man für Cash Pooling eine besondere Software?
Für die Durchführung nicht — das Pooling selbst erledigt die Bank. Für die Steuerung schon: Sobald täglich Geld zwischen Gesellschaften fließt, reicht eine Tabelle je Gesellschaft nicht mehr aus. Gebraucht wird eine Planung, die mehrere Organisationen getrennt führt und zugleich konsolidiert darstellt.
Was ist ein Cash-Pool-Vertrag?
Die Vereinbarung zwischen allen Gesellschaften, die am Cash Pool teilnehmen. Er regelt, wer den Pool führt, wie die Salden verzinst werden, welche Informationen die Teilnehmer bekommen, wie gekündigt wird und wann eine Gesellschaft ausscheidet — etwa, wenn sie in eine Krise gerät. Er ist getrennt vom Vertrag mit der Bank, der das technische Verfahren regelt.
Wer gehört zum Cash Pool?
Der Pool-Führer — meist die Muttergesellschaft oder eine eigene Finanzierungsgesellschaft — und die Gesellschaften, die ihre Konten einbringen. Welche das sind, legt die Gruppe fest; nicht jede Gesellschaft muss teilnehmen, und eine Gesellschaft in wirtschaftlicher Schieflage sollte es oft gerade nicht.
Wie wird Cash Pooling in der Bilanz behandelt?
Beim physischen Pooling wird aus dem übertragenen Bankguthaben einer Gesellschaft eine Forderung gegen verbundene Unternehmen, beim Empfänger eine Verbindlichkeit. Im Konzernabschluss heben sich beide bei der Konsolidierung auf. Beim virtuellen Pooling bleiben die Salden Bankguthaben und Bankverbindlichkeiten der einzelnen Gesellschaften.
Cash Pooling setzt voraus, dass überhaupt bekannt ist, wo in der Gruppe wie viel Geld liegt. Wie diese konsolidierte Sicht entsteht und welche Werkzeuge sie liefern, steht unter Konsolidierungssoftware.