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Cash Management

Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

Zuletzt aktualisiert

Cash Management ist die operative Steuerung der Zahlungsströme eines Unternehmens: sicherstellen, dass zu jedem Zeitpunkt genug Geld auf dem richtigen Konto liegt, und dass nicht mehr Kapital gebunden ist als nötig. Es umfasst die Disposition der Bankkonten, die Steuerung von Forderungen und Verbindlichkeiten, die kurzfristige Liquiditätsplanung und — bei Unternehmensgruppen — den Ausgleich von Salden zwischen Gesellschaften.

Der Begriff wird oft synonym mit Treasury oder Liquiditätsplanung verwendet. Das ist ungenau, und die Unterschiede haben praktische Folgen dafür, wer im Unternehmen wofür zuständig ist.

Was zum Cash Management gehört

Vier Felder, die in jedem Unternehmen vorkommen — in kleinen als Nebentätigkeit der Geschäftsführung, in größeren als eigene Funktion.

Kontendisposition. Welches Konto trägt welche Zahlungen, wo liegen Guthaben ungenutzt, wo entstehen Kontokorrentzinsen. Wer mehrere Banken nutzt, verliert hier regelmäßig Geld, ohne es zu bemerken: ein Konto im Soll, ein anderes im Haben, beide bei derselben Bank.

Forderungen und Verbindlichkeiten. Zahlungsziele auf beiden Seiten, Mahnwesen, Skonto. Das ist der Bereich mit der schnellsten Wirkung, weil hier Geld gebunden ist, das niemand bewusst gebunden hat — jeder Tag, den eine Rechnung länger offen steht, ist Kapital, das im Unternehmen fehlt.

Kurzfristige Liquiditätsplanung. Der rollierende Blick über die nächsten Wochen, üblicherweise dreizehn. Nicht zu verwechseln mit der Jahresplanung: Hier geht es um Zahlungszeitpunkte, nicht um Erträge.

Konzerninterner Ausgleich. Sobald mehrere Gesellschaften existieren, stellt sich die Frage, ob deren Salden getrennt bleiben oder zusammengeführt werden. Das ist das Feld des Cash Pooling.

Cash Management, Treasury und Liquiditätsplanung — wo der Unterschied liegt

ZeithorizontFokusTypische Frage
Cash ManagementTage bis WochenZahlungsströme, KontenLiegt das Geld dort, wo es gebraucht wird?
LiquiditätsplanungWochen bis MonateZahlungsfähigkeitReicht das Geld in Woche 9?
TreasuryMonate bis JahreFinanzierung, RisikenWie ist die Finanzierung aufgestellt?
ControllingPeriodenErgebnis, AbweichungHalten wir den Plan?

Die Grenzen verschwimmen in kleinen Unternehmen, weil dieselbe Person alles macht. Aber die Fragen sind verschieden, und wer sie vermischt, bekommt Antworten auf die falsche. Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem zahlungsunfähig — § 17 InsO macht Zahlungsunfähigkeit zum allgemeinen Eröffnungsgrund für ein Insolvenzverfahren, nicht fehlenden Gewinn.

Cash Pooling: Salden zwischen Gesellschaften bündeln

Sobald eine Unternehmensgruppe mehrere Gesellschaften mit eigenen Konten hat, entsteht ein absurder Zustand: Eine Tochter zahlt Sollzinsen für ihren Kontokorrent, während eine andere Guthaben nahezu unverzinst liegen lässt. Cash Pooling führt die Salden zusammen — beim physischen Pooling fließt dafür tatsächlich Geld auf ein Zielkonto, beim virtuellen rechnet die Bank die Salden lediglich zinstechnisch gegeneinander.

Weil beim physischen Pooling Darlehen zwischen verbundenen Unternehmen entstehen, sind Kapitalerhaltung und Verrechnungspreise berührt. Verfahren, rechtliche Punkte und die Folgen für die Planung sind ausführlich unter Cash Pooling beschrieben.

Der Cash Conversion Cycle: wie lange Geld gebunden ist

Zwischen dem Moment, in dem ein Unternehmen für Material oder Leistung zahlt, und dem Moment, in dem der Kunde bezahlt, liegt eine Strecke. Wie lang sie ist, beschreibt der Cash Conversion Cycle — auch Geldumschlagsdauer genannt.

Er setzt sich aus drei Größen zusammen:

  • Lagerdauer (Days Inventory Outstanding) — wie lange Ware im Bestand liegt
  • Forderungslaufzeit (Days Sales Outstanding) — wie lange Kunden brauchen
  • abzüglich Verbindlichkeitenlaufzeit (Days Payable Outstanding) — wie lange man selbst zahlt

Das Ergebnis ist die Zahl der Tage, die ein Unternehmen sein Umlaufvermögen selbst finanzieren muss. Sie kann negativ sein: Wer vom Kunden Geld bekommt, bevor er den Lieferanten bezahlt, finanziert sein Wachstum aus dem eigenen Geschäftsmodell. Das ist der strukturelle Vorteil, den Abo-Modelle und Vorkasse-Händler gegenüber dem Projektgeschäft haben.

Die Größe ist deshalb interessant, weil sie erklärt, warum profitable Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Wächst der Umsatz, wächst in der Regel auch das gebundene Kapital — mehr Ware, mehr angefangene Arbeit, mehr offene Rechnungen. Der Gewinn steigt, die Liquidität sinkt, und beides ist gleichzeitig richtig.

Die einzelnen Bestandteile lassen sich mit dem Working-Capital-Rechner ermitteln; ausführlich beschrieben ist die Berechnung unter Working Capital berechnen.

Ab welcher Größe braucht ein Unternehmen Cash Management?

Es gibt keine Umsatzschwelle. Der Bedarf entsteht aus vier Umständen, die unabhängig von der Größe auftreten:

  • Mehrere Bankkonten oder mehrere Banken — dann ist der Gesamtsaldo nicht mehr auf einen Blick sichtbar
  • Mehrere Gesellschaften — dann stellt sich die Frage des Ausgleichs zwischen ihnen
  • Zahlungsziele, die auseinanderfallen — Kunden zahlen später, als Lieferanten es verlangen
  • Saisonalität — der Umsatz schwankt, die Fixkosten nicht

Ein Handwerksbetrieb mit zwei Millionen Umsatz, Materialvorfinanzierung und Abschlagsrechnungen braucht Cash Management dringender als ein Softwareunternehmen mit zehn Millionen und monatlicher Vorauszahlung.

Womit Cash Management gemacht wird

In der Praxis gibt es drei Stufen, und die meisten Unternehmen durchlaufen sie in dieser Reihenfolge.

Tabellenkalkulation. Funktioniert, solange ein Konto und überschaubare Zahlungsströme existieren. Der Aufwand wächst mit jedem zusätzlichen Konto, und die Zahlen sind immer so aktuell wie der letzte manuelle Export.

Spezialisierte Software. Bankkonten werden per Open Banking angebunden, Umsätze fließen automatisch ein und werden kategorisiert. Der Unterschied im Alltag ist weniger die Auswertung als die Tagesaktualität: Der Plan bewegt sich mit, ohne dass jemand ihn pflegt.

Treasury-Management-Systeme. Für Konzerne mit Fremdwährungen, Derivaten und mehrstufigen Pooling-Strukturen. Für den Mittelstand in der Regel überdimensioniert.

Eine Übersicht der Werkzeuge im deutschsprachigen Raum steht im Vergleich der Liquiditätsplanungstools.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Cash Management einfach erklärt?

Die Steuerung der Zahlungsströme eines Unternehmens im kurzen Zeitraum: dafür sorgen, dass jederzeit genug Geld auf dem richtigen Konto liegt, und dass nicht unnötig Kapital gebunden ist. Es umfasst Kontendisposition, Forderungs- und Verbindlichkeitensteuerung, kurzfristige Liquiditätsplanung und den Ausgleich zwischen Gesellschaften.

Was ist der Unterschied zwischen Cash Management und Treasury?

Der Zeithorizont und die Aufgabe. Cash Management steuert Zahlungsströme über Tage und Wochen — welches Konto, welcher Betrag, wann. Treasury verantwortet darüber hinaus die Finanzierung des Unternehmens, das Zins- und Währungsrisiko und die Beziehungen zu Banken und Investoren, über Monate und Jahre. In kleineren Unternehmen macht dieselbe Person beides.

Was ist Cash Pooling?

Ein Verfahren, mit dem Unternehmensgruppen die Salden ihrer Gesellschaftskonten zusammenführen, um Zinsaufwand zu senken und ungenutztes Guthaben zu vermeiden. Beim physischen Pooling wird Geld tatsächlich auf ein Zielkonto übertragen, beim virtuellen Pooling rechnet nur die Bank die Salden gegeneinander.

Ist Cash Pooling in Deutschland zulässig?

Ja, es ist verbreitete Praxis. Beim physischen Pooling entstehen allerdings Darlehen zwischen verbundenen Unternehmen, wodurch Kapitalerhaltungsvorschriften berührt werden — bei der GmbH insbesondere § 30 GmbHG — sowie Fragen der angemessenen Verzinsung gegenüber dem Finanzamt. Die Ausgestaltung gehört in die Hände von Steuer- und Rechtsberatung.

Was ist der Cash Conversion Cycle?

Die Zahl der Tage, die zwischen der eigenen Zahlung und dem Zahlungseingang des Kunden liegen. Er ergibt sich aus Lagerdauer plus Forderungslaufzeit minus Verbindlichkeitenlaufzeit und beschreibt, wie lange ein Unternehmen sein Umlaufvermögen selbst finanzieren muss. Ein negativer Wert bedeutet, dass Kunden vor den Lieferanten zahlen.

Warum geraten profitable Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten?

Weil Gewinn und Liquidität verschiedene Größen sind. Wächst der Umsatz, wächst meist auch das gebundene Kapital — mehr Bestand, mehr angefangene Arbeit, mehr offene Forderungen. Der Gewinn steigt, während das Geld auf der Strecke zwischen Zahlung und Zahlungseingang liegt.

Brauchen kleine Unternehmen Cash Management?

Sobald mehr als ein Bankkonto existiert, Zahlungsziele auseinanderfallen oder der Umsatz saisonal schwankt, ja. Nicht als eigene Stelle, aber als regelmäßige Aufgabe. Der Umsatz ist dabei kein guter Maßstab — die Struktur des Geschäfts ist es.

Welche Kennzahlen gehören zum Cash Management?

Gebräuchlich sind der Cash Conversion Cycle mit seinen drei Bestandteilen (Lagerdauer, Forderungs- und Verbindlichkeitenlaufzeit), die Liquidität ersten bis dritten Grades, der operative Cashflow und die Liquiditätsreserve in Tagen — also wie lange das Unternehmen ohne neue Einzahlungen zahlungsfähig bliebe.