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Kapitalflussrechnung

Die Kapitalflussrechnung zeigt, woher das Geld eines Unternehmens in einem Zeitraum kam und wohin es ging. Sie ordnet alle Zahlungen in drei Bereiche — laufendes Geschäft, Investitionen, Finanzierung — und erklärt damit, warum sich der Kontostand verändert hat.

Was ist eine Kapitalflussrechnung?

Die Kapitalflussrechnung ist die geordnete Aufstellung aller Ein- und Auszahlungen eines Unternehmens in einem Zeitraum, gegliedert nach laufender Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit. Am Ende steht die Veränderung des Zahlungsmittelbestands: der Unterschied zwischen dem Geld am Anfang und am Ende der Periode.

Für dieselbe Rechnung sind mehrere Namen im Umlauf. International heißt sie Cashflow Statement oder Statement of Cash Flows, in der Schweiz Geldflussrechnung. Gemeint ist jedes Mal dasselbe.

Ihr Wert liegt in der Gliederung. Dass am Jahresende 10.000 € mehr auf dem Konto liegen, weiß man auch ohne sie. Die Kapitalflussrechnung sagt, ob dieses Geld verdient, geliehen oder durch den Verkauf einer Maschine hereingekommen ist — und das sind drei sehr verschiedene Auskünfte über denselben Kontostand.

Die dritte Rechnung neben Bilanz und GuV

Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung lassen eine Frage offen, die für die Zahlungsfähigkeit entscheidend ist:

BilanzGewinn- und VerlustrechnungKapitalflussrechnung
ZeigtVermögen und SchuldenErträge und AufwendungenEinzahlungen und Auszahlungen
Zeitbezugein Stichtagein Zeitraumein Zeitraum
ErgebnisEigenkapitalGewinn oder VerlustVeränderung der Zahlungsmittel
BeantwortetWas besitzt und schuldet das Unternehmen?Hat sich das Geschäft gelohnt?Woher kam das Geld, wohin ging es?

Die GuV rechnet in Erträgen und Aufwendungen. Eine geschriebene Rechnung ist dort Umsatz, auch wenn der Kunde erst in sechs Wochen zahlt; eine Abschreibung ist Aufwand, obwohl kein Geld fließt. Deshalb kann ein Unternehmen Gewinn ausweisen und trotzdem nicht zahlen können. Die Kapitalflussrechnung schließt diese Lücke, indem sie nur zählt, was auf dem Konto bewegt wurde.

Die drei Rechnungen hängen zusammen: Die Veränderung der Zahlungsmittel aus der Kapitalflussrechnung ist genau der Unterschied zwischen den flüssigen Mitteln zweier Bilanzen. Wie sich der Jahresabschluss insgesamt zusammensetzt, steht auf einer eigenen Seite.

Der Aufbau: drei Bereiche und der Finanzmittelfonds

BereichWas hineingehörtTypische Zahlungen
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeitalles, was mit dem eigentlichen Geschäft zu tun hatKundenzahlungen, Lieferanten, Löhne, Miete, Ertragsteuern
Cashflow aus InvestitionstätigkeitKauf und Verkauf von langfristigem VermögenMaschinen, Fahrzeuge, Software, Beteiligungen
Cashflow aus FinanzierungstätigkeitZahlungen zwischen Unternehmen und seinen GeldgebernKreditaufnahme, Tilgung, Einlagen, Ausschüttungen

Die Summe der drei Bereiche ist die Veränderung des Finanzmittelfonds. So heißt der Bestand, auf den sich die Rechnung bezieht: Kasse, Bankguthaben und sehr kurzfristige Geldanlagen, die jederzeit zu Geld gemacht werden können.

Die ganze Rechnung in einer Zeile:

Finanzmittelfonds am Anfang + Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit + Cashflow aus Investitionstätigkeit + Cashflow aus Finanzierungstätigkeit = Finanzmittelfonds am Ende

Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

Der erste Bereich ist der wichtigste: Er zeigt, ob das Geschäft aus sich heraus Geld erwirtschaftet. Ermittelt wird er auf zwei Wegen, die zum selben Ergebnis führen.

Die indirekte Methode beginnt beim Periodenergebnis aus der GuV und korrigiert alles, was Buchung war, aber keine Zahlung:

Position
Periodenergebnis (Jahresüberschuss oder -fehlbetrag)
+Abschreibungen auf das Anlagevermögen
±Zunahme oder Abnahme der Rückstellungen
±sonstige Aufwendungen und Erträge ohne Zahlung
−Zunahme der Vorräte und Forderungen
+Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
=Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

Das Schema ist vereinfacht; der vollständige Standard kennt weitere Zeilen, etwa für Gewinne aus Anlagenverkäufen, Zinsen und Steuern. Die Logik bleibt dieselbe: Was Kapital bindet, geht ab. Was Kapital freisetzt, kommt dazu.

Die direkte Methode stellt die Zahlungen selbst gegenüber: Einzahlungen von Kunden minus Auszahlungen an Lieferanten, Beschäftigte und für sonstige Betriebskosten.

Direkte MethodeIndirekte Methode
Ausgangsgrößedie einzelnen Ein- und Auszahlungendas Periodenergebnis aus der GuV
RechenwegEinzahlungen minus AuszahlungenErgebnis, bereinigt um alles ohne Zahlung und um die Veränderung von Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten
BrauchtZahlungsdaten, am einfachsten aus den BankkontenGuV und zwei Bilanzen
Stärkezeigt, wofür Geld geflossen istzeigt, warum Gewinn und Cashflow auseinanderliegen
Wer sie nutztwer laufend aus Kontobewegungen rechnet und plantwer aus dem fertigen Abschluss berichtet

In Abschlüssen ist die indirekte Methode die übliche, weil ihre Zahlen ohnehin vorliegen. Beide Rechenwege Zeile für Zeile, mit Vorzeichen und Quellen, stehen unter Cashflow berechnen. Was das Ergebnis aussagt, behandelt die Seite zum operativen Cashflow.

Cashflow aus Investitionstätigkeit

Der zweite Bereich enthält die Zahlungen für Vermögen, mit dem das Unternehmen länger als ein Jahr arbeitet:

  • Auszahlungen für Sachanlagen, immaterielle Anlagen wie Software, und Finanzanlagen wie Beteiligungen
  • Einzahlungen aus dem Verkauf solcher Anlagen
  • erhaltene Zinsen und Dividenden (nach deutschem Standard)

Dieser Bereich ist bei den meisten Unternehmen negativ, und das ist kein schlechtes Zeichen: Es wurde mehr angeschafft als verkauft. Ein dauerhaft positiver Investitions-Cashflow bedeutet umgekehrt, dass Vermögen abgebaut wird — sinnvoll bei einer Bereinigung, bedenklich, wenn damit das laufende Geschäft bezahlt wird.

Dargestellt wird er immer direkt, also als Gegenüberstellung der einzelnen Ein- und Auszahlungen.

Cashflow aus Finanzierungstätigkeit

Der dritte Bereich zeigt, was zwischen dem Unternehmen und seinen Geldgebern geflossen ist:

  • Einzahlungen aus Eigenkapital: Einlagen, Kapitalerhöhungen
  • Einzahlungen aus der Aufnahme von Krediten
  • Auszahlungen für Tilgungen
  • Ausschüttungen an die Gesellschafter
  • gezahlte Zinsen (nach deutschem Standard)

Ein positiver Wert heißt, dass Geld von außen gekommen ist. Ein negativer heißt, dass getilgt oder ausgeschüttet wurde — in einem gesunden Betrieb der Normalfall, weil der Überschuss aus dem laufenden Geschäft dafür verwendet wird.

Wo Zinsen, Steuern und Dividenden stehen

An dieser Stelle unterscheiden sich die Regelwerke, und Abschlüsse sind deshalb nicht ohne Weiteres vergleichbar:

ZahlungDRS 21 (deutscher Standard)IAS 7 (IFRS)
gezahlte ZinsenFinanzierungstätigkeitlaufende Geschäftstätigkeit oder Finanzierung, einmal gewählt und beibehalten
erhaltene ZinsenInvestitionstätigkeitlaufende Geschäftstätigkeit oder Investition
erhaltene DividendenInvestitionstätigkeitlaufende Geschäftstätigkeit oder Investition
gezahlte DividendenFinanzierungstätigkeitlaufende Geschäftstätigkeit oder Finanzierung
Ertragsteuerngrundsätzlich laufende Geschäftstätigkeitgrundsätzlich laufende Geschäftstätigkeit

Für den Vergleich zweier Unternehmen heißt das: Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit fällt nach DRS 21 um die gezahlten Zinsen höher aus als in einer Rechnung, die Zinsen im laufenden Geschäft führt. Wer Zahlen nebeneinanderlegt, sollte zuerst nachsehen, wo die Zinsen stehen.

Die Zuordnung nach DRS 21 ist der Veröffentlichung des DRSC entnommen.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Die Zahlen sind ein erfundenes Rechenbeispiel — dieselbe Firma wie auf der Seite Cashflow berechnen, hier als vollständige Kapitalflussrechnung. Zinsen sind der Einfachheit halber nicht gesondert ausgewiesen.

PositionBetrag
Jahresüberschuss120.000 €
+Abschreibungen45.000 €
+Zunahme langfristiger Rückstellungen10.000 €
−Zunahme der Forderungen30.000 €
−Zunahme der Vorräte15.000 €
+Zunahme der Verbindlichkeiten aus L&L20.000 €
=Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit150.000 €
−Auszahlung für eine neue Maschine80.000 €
+Einzahlung aus dem Verkauf der alten Maschine10.000 €
=Cashflow aus Investitionstätigkeit−70.000 €
−Tilgung eines Darlehens40.000 €
−Ausschüttung an die Gesellschafter30.000 €
=Cashflow aus Finanzierungstätigkeit−70.000 €
Veränderung des Finanzmittelfonds+10.000 €
Finanzmittelfonds am Anfang der Periode85.000 €
Finanzmittelfonds am Ende der Periode95.000 €

Gelesen von oben nach unten: Das Geschäft hat 150.000 € erwirtschaftet. Davon gingen 70.000 € netto in eine neue Maschine und 70.000 € an Bank und Gesellschafter. 10.000 € sind geblieben.

Der Gewinn lag bei 120.000 €. Wer nur die GuV kennt, würde mehr Geld auf dem Konto erwarten. Die Kapitalflussrechnung zeigt, wo es geblieben ist — und dass die Investition vollständig aus dem laufenden Geschäft bezahlt wurde, ohne neuen Kredit.

Die Kapitalflussrechnung lesen: fünf Muster

Die Vorzeichen der drei Bereiche ergeben zusammen ein Bild. Einzeln sagen sie wenig.

Laufendes GeschäftInvestitionFinanzierungWas meistens dahintersteht
+−−Das Geschäft trägt Investitionen und Tilgung. Der gesunde Normalfall.
+−+Wachstum: Es wird mehr investiert, als das Geschäft hergibt, der Rest kommt von außen.
−−+Aufbauphase oder Krise. Das Geschäft verbraucht Geld und lebt von Krediten oder Einlagen.
−+−Vermögen wird verkauft, um Verluste und Tilgungen zu bezahlen. Ein deutliches Warnzeichen.
++−Rückbau oder Umschuldung: Überschüsse und Verkaufserlöse gehen in die Entschuldung.

Zwei Zahlen ergeben sich direkt aus der Rechnung. Die Summe der ersten beiden Bereiche ist der Free Cashflow — das, was nach dem laufenden Geschäft und den Investitionen bleibt. Und das Verhältnis von Verschuldung zu operativem Cashflow sagt, in wie vielen Jahren die Schulden aus eigener Kraft getilgt wären.

Ein einzelnes Jahr trägt selten eine Aussage. Eine große Anschaffung oder eine Sondertilgung verschiebt das Muster für eine Periode. Belastbar wird es über drei bis fünf Jahre.

Wer eine Kapitalflussrechnung aufstellen muss

Eine gesetzliche Pflicht besteht in Deutschland nur für einen Teil der Unternehmen:

  • Konzerne. Der Konzernabschluss besteht nach § 297 Abs. 1 HGB aus Konzernbilanz, Konzern-GuV, Konzernanhang, Kapitalflussrechnung und Eigenkapitalspiegel.
  • Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften ohne Konzernabschluss. Sie müssen ihren Jahresabschluss nach § 264 Abs. 1 HGB um eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspiegel erweitern.
  • Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren. Dort ist sie fester Bestandteil des Abschlusses; maßgeblich ist IAS 7.

Wie die Rechnung im deutschen Recht auszusehen hat, regelt der Standard DRS 21.

Für eine GmbH mit 10 bis 50 Beschäftigten, die weder Konzern noch kapitalmarktorientiert ist, gehört die Kapitalflussrechnung nicht zum Pflichtumfang. Aufgestellt wird sie dort freiwillig — weil eine Bank sie für ein Kreditgespräch sehen möchte, weil Gesellschafter danach fragen oder weil die Geschäftsführung selbst wissen will, wo das Geld geblieben ist.

Ob im Einzelfall eine Pflicht besteht, etwa durch Rechtsform, Größe oder Vereinbarungen im Kreditvertrag, klärt die Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung.

Was die Kapitalflussrechnung nicht leistet

Sie ist ein Rückblick. Die Kapitalflussrechnung erklärt, wie der Kontostand am Ende eines abgeschlossenen Zeitraums zustande kam, und sie liegt erst vor, wenn der Abschluss fertig ist — oft Monate nach dem Stichtag.

Die Frage, mit der die meisten Unternehmen im Alltag zu tun haben, lautet anders: Reicht das Geld in den nächsten Wochen und Monaten? Dafür braucht es dieselbe Denkweise in die andere Richtung, also erwartete Ein- und Auszahlungen mit Datum, nach vorne geschrieben. Das ist die Aufgabe einer Liquiditätsplanung.

Beides ergänzt sich. Die Kapitalflussrechnung der letzten Jahre zeigt, wie viel das Geschäft verlässlich erwirtschaftet und was regelmäßig für Investitionen und Kapitaldienst abgeht. Mit diesen Erfahrungswerten wird die Planung belastbar.

finban ist ein Werkzeug für diese zweite Aufgabe. Es rechnet aus den angebundenen Bankkonten und offenen Rechnungen eine Vorschau und schreibt sie laufend fort. Eine Kapitalflussrechnung nach DRS 21 oder IAS 7 als Teil eines Abschlusses erstellt finban nicht; die entsteht in der Buchhaltung und beim Steuerberater.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Kapitalflussrechnung einfach erklärt?

Eine Aufstellung, die zeigt, woher das Geld eines Unternehmens in einem Zeitraum kam und wofür es ausgegeben wurde. Sie teilt alle Zahlungen in drei Bereiche — laufendes Geschäft, Investitionen, Finanzierung — und endet mit der Veränderung des Kontostands.

Wie ist eine Kapitalflussrechnung aufgebaut?

In drei Teilen: Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, Cashflow aus Investitionstätigkeit und Cashflow aus Finanzierungstätigkeit. Ihre Summe ist die Veränderung des Finanzmittelfonds, also der Unterschied zwischen den Zahlungsmitteln am Anfang und am Ende der Periode.

Was ist der Unterschied zwischen Kapitalflussrechnung und Cashflow Statement?

Keiner. Cashflow Statement und Statement of Cash Flows sind die englischen Bezeichnungen, Geldflussrechnung die in der Schweiz übliche. Unterschiede gibt es nur zwischen den Regelwerken, etwa bei der Frage, in welchem Bereich Zinsen stehen.

Was ist der Unterschied zwischen Kapitalflussrechnung und GuV?

Die GuV stellt Erträge und Aufwendungen gegenüber und endet beim Gewinn. Die Kapitalflussrechnung stellt Ein- und Auszahlungen gegenüber und endet bei der Veränderung der Zahlungsmittel. Eine Abschreibung mindert den Gewinn, ist aber keine Zahlung. Eine Kredittilgung ist eine Zahlung, berührt den Gewinn aber nicht.

Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Methode?

Die direkte Methode listet die Zahlungen selbst auf. Die indirekte beginnt beim Jahresergebnis und rechnet alles heraus, was den Gewinn verändert hat, ohne dass Geld geflossen ist. Wählbar ist die Methode nur für den Bereich der laufenden Geschäftstätigkeit; Investition und Finanzierung werden immer direkt dargestellt.

Wer muss eine Kapitalflussrechnung erstellen?

In Deutschland Konzerne als Teil des Konzernabschlusses und kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften, außerdem alle Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren. Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist sie freiwillig.

Was ist der Finanzmittelfonds?

Der Bestand an Zahlungsmitteln, auf den sich die Kapitalflussrechnung bezieht: Kasse, Bankguthaben und sehr kurzfristige, jederzeit verfügbare Geldanlagen. Die Rechnung erklärt, warum sich dieser Bestand zwischen zwei Stichtagen verändert hat.

Ist ein negativer Cashflow aus Investitionstätigkeit schlecht?

In der Regel nicht. Er bedeutet, dass mehr in Anlagen investiert als durch Verkäufe eingenommen wurde. Ein Warnzeichen ist eher das Gegenteil, wenn nämlich dauerhaft Vermögen verkauft wird, um das laufende Geschäft zu bezahlen.