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Free Cashflow

Der Free Cashflow ist das Geld, das einem Unternehmen bleibt, nachdem das laufende Geschäft und die Investitionen bezahlt sind. Gerechnet wird er als operativer Cashflow minus Investitionen. Aus ihm werden Tilgung, Ausschüttung und Rücklagen bezahlt.

Was ist der Free Cashflow?

Der Free Cashflow (freier Cashflow, kurz FCF) ist der operative Cashflow eines Zeitraums abzüglich der Auszahlungen für Investitionen. Er zeigt, wie viel Geld das Unternehmen aus eigener Kraft erwirtschaftet hat und frei verwenden kann — für Kredittilgung, Ausschüttungen an die Gesellschafter oder als Rücklage.

Der operative Cashflow allein beantwortet diese Frage nicht. Er sagt, was das laufende Geschäft an Geld gebracht hat. Ein Teil davon ist aber schon vergeben: Maschinen müssen ersetzt, Fahrzeuge erneuert, Software angeschafft werden. Erst was danach übrig ist, steht wirklich zur Verfügung.

Für ein Unternehmen ohne Finanzabteilung ist der Free Cashflow deshalb die ehrlichste Antwort auf drei Fragen, die regelmäßig anstehen: Können wir den Kredit bedienen? Wie viel können wir ausschütten? Und können wir die nächste Einstellung oder Anschaffung aus eigenem Geld bezahlen?

Free Cashflow berechnen: die Formel

Free Cashflow = operativer Cashflow − Investitionen ins Anlagevermögen

Genauer gerechnet werden die Investitionen netto angesetzt: Auszahlungen für neue Anlagen abzüglich der Einzahlungen aus dem Verkauf alter. In einer Kapitalflussrechnung ist das der Cashflow aus Investitionstätigkeit, und die Formel lautet dann:

Free Cashflow = Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit + Cashflow aus Investitionstätigkeit

Das Pluszeichen ist kein Fehler. Der Investitions-Cashflow ist in aller Regel negativ, und eine negative Zahl zu addieren heißt, sie abzuziehen.

Wer keinen operativen Cashflow vorliegen hat, rechnet einen Schritt früher los:

SchrittPositionWoher
JahresüberschussGuV, letzte Zeile
+AbschreibungenGuV oder Anlagenspiegel
±Veränderung der RückstellungenBilanz, zwei Stichtage
±Veränderung des Working CapitalBilanz, zwei Stichtage
=Operativer Cashflow
−Auszahlungen für InvestitionenAnlagenspiegel, Bankkonto
+Einzahlungen aus AnlagenverkäufenBankkonto
=Free Cashflow

Die obere Hälfte ist die indirekte Berechnung des operativen Cashflows. Wie sie Zeile für Zeile funktioniert und wo die Vorzeichen sitzen, steht unter Cashflow berechnen.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Die Zahlen sind ein erfundenes Rechenbeispiel — dieselbe Firma wie auf der Seite zur Cashflow-Berechnung, damit sich beide Rechnungen nebeneinanderlegen lassen.

PositionBetrag
Jahresüberschuss120.000 €
+Abschreibungen45.000 €
+Zunahme langfristiger Rückstellungen10.000 €
−Zunahme der Forderungen30.000 €
−Zunahme der Vorräte15.000 €
+Zunahme der Verbindlichkeiten aus L&L20.000 €
=Operativer Cashflow150.000 €
−Kauf einer neuen Maschine80.000 €
+Verkauf der alten Maschine10.000 €
=Free Cashflow80.000 €

Von 150.000 € aus dem laufenden Geschäft sind 70.000 € netto in die Maschine geflossen. Übrig bleiben 80.000 €.

Was die Firma damit gemacht hat: 40.000 € Darlehen getilgt und 30.000 € ausgeschüttet. Die restlichen 10.000 € liegen am Jahresende zusätzlich auf dem Konto. Der Gewinn von 120.000 € hätte eine Ausschüttung in ganz anderer Höhe nahegelegt — der Free Cashflow zeigt, was tatsächlich möglich war.

Was als Investition zählt — und was nicht

An dieser Zeile entscheidet sich, ob die Zahl stimmt.

Gehört hineinGehört nicht hinein
Kauf von Maschinen, Fahrzeugen, Betriebsausstattunglaufende Wartung und Reparaturen (sind schon im operativen Cashflow)
gekaufte Software und Lizenzen, die aktiviert werdenmonatliche Software-Abos
Umbauten und Einbauten, die aktiviert werdenMiete und Leasingraten ohne Aktivierung
Kauf von BeteiligungenTilgung von Krediten (Finanzierung, nicht Investition)
abzüglich: Erlöse aus dem Verkauf von AnlagenAbschreibungen (keine Zahlung)

Drei Stellen, an denen regelmäßig falsch gerechnet wird:

Abschreibungen statt Investitionen abziehen. Die Abschreibung verteilt eine alte Anschaffung über die Jahre; die Investition ist die Zahlung von heute. In einem Jahr mit großer Anschaffung liegen beide weit auseinander.

Leasing übersehen. Wer least statt kauft, hat kleine Investitionen und einen entsprechend hohen Free Cashflow — die Raten stecken dafür im operativen Cashflow. Zwei Betriebe mit derselben Ausstattung sind deshalb nur vergleichbar, wenn man weiß, wie sie finanziert haben.

Ersatz und Erweiterung in einen Topf werfen. Ersatzinvestitionen halten den Betrieb auf dem Stand, Erweiterungsinvestitionen bauen ihn aus. Ein niedriger Free Cashflow wegen einer zweiten Produktionslinie ist etwas anderes als einer, weil der Fuhrpark ersetzt werden musste. Die Trennung steht in keinem Standard, sie ist aber die Auskunft, die man für die Planung braucht.

Brutto- und Netto-Free-Cashflow

Unter dem Namen laufen zwei Größen. Der Unterschied ist, ob die Geldgeber der Fremdfinanzierung schon bedient sind.

Brutto-Free-CashflowNetto-Free-Cashflow
Auch genanntFree Cashflow to Firm, Entity-AnsatzFree Cashflow to Equity, Flow to Equity
Formeloperativer Cashflow vor Zinsen − InvestitionenBrutto-Free-Cashflow − Zinsen − Tilgung + neu aufgenommene Kredite
Zinsennoch nicht abgezogenabgezogen
Tilgung und neue Kreditenicht berücksichtigtberücksichtigt
Steht zur Verfügung fürBanken und Gesellschafter zusammendie Gesellschafter
Wozu man ihn brauchtKapitaldienst beurteilen, Unternehmen bewertenAusschüttung und Rücklage planen

Welche der beiden eine Zahl ist, hängt oft nur davon ab, wo die Zinsen gebucht sind. In einer Kapitalflussrechnung nach dem deutschen Standard DRS 21 stehen gezahlte Zinsen im Finanzierungsbereich — operativer Cashflow plus Investitions-Cashflow ergibt dort also den Brutto-Wert. Wer dagegen direkt aus den Kontobewegungen rechnet und die Zinsen bei den laufenden Auszahlungen führt, hat sie schon abgezogen.

Für das Bankgespräch ist der Brutto-Wert der richtige Ausgangspunkt: Aus ihm müssen Zins und Tilgung bezahlt werden. Ob das reicht, ist die Frage der Kapitaldienstfähigkeit.

Was man aus dem Free Cashflow bezahlt

Der Free Cashflow ist kein Überschuss, sondern ein Budget mit fester Reihenfolge:

  1. Zinsen und Tilgung. Vertraglich fest und nicht verschiebbar.
  2. Steuernachzahlungen und höhere Vorauszahlungen. Sie folgen einem guten Jahr mit Verzögerung und treffen oft ein schwächeres.
  3. Rücklage. Der Puffer für die Monate, in denen der operative Cashflow negativ ist.
  4. Ausschüttung an die Gesellschafter.

Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst ausschüttet, finanziert die Tilgung im Folgejahr aus der Kreditlinie. Die Rechnung dazu ist kurz: Free Cashflow minus Kapitaldienst minus Steuern ergibt den Betrag, über den frei entschieden werden kann.

Negativer Free Cashflow: wann normal, wann Warnsignal

Ein negativer Free Cashflow heißt nur, dass in dem Zeitraum mehr investiert wurde, als das Geschäft an Geld gebracht hat. Ob das ein Problem ist, zeigt der Blick auf die beiden Bestandteile:

Operativer CashflowInvestitionenWas vorliegt
positivhoch, Free Cashflow negativDas Unternehmen wächst und finanziert einen Teil von außen. Normal, solange die Finanzierung steht.
positivniedrig, Free Cashflow positivDer Regelfall eines eingeschwungenen Betriebs.
positivdauerhaft nahe nullEs wird von der Substanz gelebt. Der Free Cashflow sieht gut aus, bis alles gleichzeitig ersetzt werden muss.
negativbeliebigDas laufende Geschäft trägt sich nicht. Hier liegt das Problem, nicht bei den Investitionen.

Die dritte Zeile ist die, die am häufigsten übersehen wird. Ein hoher Free Cashflow kann auch bedeuten, dass seit Jahren nichts erneuert wurde. Aussagekräftig ist deshalb der Verlauf über mehrere Jahre, zusammen mit der Frage, ob die Investitionen ungefähr die Abschreibungen erreichen.

Was hinter einem negativen operativen Cashflow stecken kann, steht unter operativer Cashflow.

Free Cashflow, operativer Cashflow, EBITDA und Gewinn

GrößeWas abgezogen istWas sie beantwortet
EBITDAnur der laufende Aufwand, ohne Zinsen, Steuern und AbschreibungenWie ertragsstark ist das Geschäft vor Finanzierung und Investition?
Gewinnaller Aufwand einschließlich Abschreibungen, Zinsen und SteuernHat sich das Jahr gelohnt?
Operativer Cashflowalle laufenden Auszahlungen, einschließlich des Kapitals, das in Forderungen und Vorräten gebunden wurdeTrägt sich das laufende Geschäft selbst?
Free Cashflowzusätzlich die InvestitionenWas bleibt für Tilgung, Ausschüttung und Rücklage?

Das EBITDA wird oft als schnelle Näherung für den Cashflow benutzt. Es lässt zwei Dinge aus, die Geld kosten: das gebundene Working Capital und die Investitionen. In einem wachsenden Betrieb können beide zusammen den größten Teil des EBITDA aufzehren. Die Abgrenzung der vier Größen im Einzelnen steht unter Cashflow, Gewinn, EBIT und EBITDA.

Free Cashflow für Anleger — eine andere Frage

Wer nach „Free Cashflow" sucht, landet oft bei Aktienanalysen. Dort wird die Zahl benutzt, um börsennotierte Unternehmen zu vergleichen — als Free-Cashflow-Rendite im Verhältnis zum Börsenwert oder als Grundlage einer Unternehmensbewertung nach dem Discounted-Cash-Flow-Verfahren.

Die Rechnung ist dieselbe, die Frage ist eine andere. Der Anleger will wissen, was ein Unternehmen wert ist. Wer ein Unternehmen führt, will wissen, was er nächstes Jahr tilgen, ausschütten und investieren kann. Diese Seite behandelt die zweite Frage. Eine Unternehmensbewertung gehört in die Hände einer Steuerberatung oder Wirtschaftsprüfung.

Den Free Cashflow nach vorne rechnen

Der berechnete Free Cashflow ist ein Rückblick auf ein abgeschlossenes Jahr. Die drei Fragen vom Anfang — Kredit, Ausschüttung, Anschaffung — betreffen aber das nächste.

Nach vorne gerechnet braucht es dafür zwei Dinge: eine Vorschau des operativen Cashflows aus erwarteten Ein- und Auszahlungen, und die geplanten Investitionen mit Datum und Betrag. Der Unterschied zur Rückschau ist das Datum. Eine Maschine für 80.000 € ist im Jahreswert eine Zeile; in der Monatssicht ist sie der Grund, warum im Mai die Kreditlinie gebraucht wird.

Genau das ist die Aufgabe einer Liquiditätsplanung. finban rechnet sie aus den angebundenen Bankkonten und den offenen Rechnungen und schreibt sie mit jeder Kontobewegung fort; geplante Anschaffungen stehen darin als eigene Zahlungen mit Termin. Was finban nicht tut: Es erstellt keinen Jahresabschluss und ersetzt nicht die Abstimmung mit der Steuerberatung, wenn es um Ausschüttung und Steuerrücklage geht.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Free Cashflow einfach erklärt?

Das Geld, das übrig bleibt, nachdem ein Unternehmen sein laufendes Geschäft und seine Investitionen bezahlt hat. Aus diesem Betrag werden Kredite getilgt, Gewinne ausgeschüttet und Rücklagen gebildet.

Wie berechnet man den Free Cashflow?

Operativer Cashflow minus Investitionen ins Anlagevermögen, wobei Erlöse aus dem Verkauf alter Anlagen gegengerechnet werden. In einer Kapitalflussrechnung: Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit plus Cashflow aus Investitionstätigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen operativem Cashflow und Free Cashflow?

Die Investitionen. Der operative Cashflow zeigt, was das laufende Geschäft an Geld gebracht hat. Der Free Cashflow zieht davon ab, was in Maschinen, Fahrzeuge, Software und andere Anlagen geflossen ist.

Ist ein negativer Free Cashflow schlecht?

Nicht für sich genommen. In einem Jahr mit einer großen Anschaffung ist er zu erwarten. Kritisch wird es, wenn er über mehrere Jahre negativ bleibt oder wenn schon der operative Cashflow negativ ist — dann wird das laufende Geschäft aus Krediten bezahlt.

Was ist ein guter Free Cashflow?

Eine allgemeine Zielzahl gibt es nicht. Ein brauchbarer Maßstab ist der eigene Kapitaldienst: Der Free Cashflow vor Zinsen sollte Zins und Tilgung des Jahres mit Abstand decken. Aussagekräftig ist außerdem der eigene Verlauf über mehrere Jahre.

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Free-Cashflow?

Der Brutto-Free-Cashflow steht Banken und Gesellschaftern zusammen zur Verfügung; Zinsen und Tilgung sind noch nicht abgezogen. Der Netto-Free-Cashflow ist das, was nach dem Kapitaldienst für die Gesellschafter bleibt.

Warum ist der Free Cashflow niedriger als der Gewinn?

Meist, weil mehr investiert als abgeschrieben wurde oder weil Kapital neu in Forderungen und Vorräten gebunden ist. Beides mindert das verfügbare Geld, aber nicht den Gewinn. In Jahren ohne größere Anschaffung liegt der Free Cashflow dagegen oft über dem Gewinn.

Kann man aus dem Free Cashflow die Ausschüttung ableiten?

Er setzt die Obergrenze dessen, was ohne neue Schulden bezahlt werden kann. Vorher gehen Zinsen, Tilgung, Steuern und eine Rücklage ab. Wie viel rechtlich und steuerlich ausgeschüttet werden darf, ist eine eigene Frage für die Steuerberatung.