Zum Inhalt springen

Fractional CFO – einfach erklärt

Was ein Fractional CFO macht, was er kostet, ab wann er sich lohnt und woran man einen guten von einem schlechten Kandidaten unterscheidet — mit Kostenvergleich, Abgrenzungsmatrix und 90-Tage-Fahrplan.

·8 min Lesezeit
Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

Zuletzt aktualisiert

Die meisten Unternehmen wachsen in eine unangenehme Lücke hinein. Die Buchhaltung läuft, der Steuerberater macht den Abschluss — und trotzdem kann niemand die Frage beantworten, ob das Unternehmen in acht Monaten noch zahlungsfähig ist, welches Produkt eigentlich Geld verdient und was die Bank im nächsten Gespräch sehen will.

Für diese Lücke gibt es seit einigen Jahren einen Begriff: Fractional CFO. Wörtlich ein "anteiliger" Finanzchef — jemand mit CFO-Erfahrung, der nicht in Vollzeit kommt, sondern für einen festgelegten Teil seiner Zeit.

Dieser Artikel erklärt, was die Rolle umfasst, was sie kostet, wann sie sich lohnt und woran man erkennt, dass man gerade den Falschen vor sich hat.

Was ein CFO überhaupt macht — und was nicht

Der häufigste Denkfehler bei diesem Thema ist die Annahme, ein CFO sei so etwas wie ein besserer Buchhalter. Das ist er nicht. Buchhaltung, Controlling und CFO-Arbeit sind drei verschiedene Ebenen, die sich in einem Punkt unterscheiden: in ihrer Blickrichtung.

Die Buchhaltung schaut zurück und dokumentiert, was passiert ist. Das Controlling schaut auf die Gegenwart und misst, ob der Plan gehalten wird. Der CFO schaut nach vorn und entscheidet, welcher Plan überhaupt der richtige ist.

Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern hat praktische Folgen. Wer einen Fractional CFO engagiert und erwartet, dass die Belegablage besser wird, hat das falsche Problem gelöst. Umgekehrt gilt: Ein Fractional CFO kann nur arbeiten, wenn die Ebene darunter funktioniert. Ohne verlässliche Buchhaltung gibt es keine verlässliche Planung — nur schnellere Vermutungen.

Was "fractional" konkret bedeutet

Der Unterschied zum klassischen CFO liegt nicht in der Aufgabe, sondern im Umfang. Ein Fractional CFO arbeitet typischerweise ein bis acht Tage im Monat für ein Unternehmen — häufig verteilt auf einen festen Rhythmus: ein halber Tag pro Woche plus die Monatsabschluss-Runde, oder zwei zusammenhängende Tage im Monat.

Er ist dabei in der Regel nicht angestellt, sondern arbeitet auf Basis eines Dienstleistungsvertrags. Und er betreut meist mehrere Unternehmen parallel — genau das macht das Modell für kleinere Unternehmen überhaupt bezahlbar.

Drei Merkmale grenzen die Rolle ab:

  • Wiederkehrend, nicht projektbezogen. Anders als ein Berater, der ein Konzept abliefert und geht, bleibt der Fractional CFO im laufenden Betrieb.
  • Verantwortung, nicht nur Empfehlung. Er entscheidet mit, sitzt in Bank- und Beiratsgesprächen und trägt die Zahlen, die er vorlegt.
  • Auf Zeit gedacht. Viele Mandate sind darauf angelegt, sich selbst überflüssig zu machen — durch Aufbau interner Strukturen.

Was es kostet

Hier lohnt sich ein genauer Blick, weil die naheliegende Rechnung fast immer falsch ist. Wer den Tagessatz eines Fractional CFO mit dem Monatsgehalt eines angestellten CFO vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge.

Auf der Seite der Festanstellung kommen zum Bruttogehalt der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, variable Vergütung, Arbeitsplatz- und IT-Kosten sowie — nicht zu unterschätzen — die Kosten der Besetzung selbst hinzu. CFO-Positionen werden häufig über Personalberatungen besetzt, und die Suche dauert Monate.

Die Grafik zeigt auch, wo das Modell kippt. Ab etwa acht bis zehn Einsatztagen pro Monat nähert sich der Fractional CFO den Vollkosten einer Festanstellung an — ohne deren Vorteile zu haben: keine dauerhafte Präsenz, keine Führungsrolle im Team, geteilte Aufmerksamkeit. Wer dauerhaft mehr als zwei Tage pro Woche braucht, sucht in Wahrheit einen angestellten Finanzleiter.

Abgrenzung: Wer macht was?

In der Praxis konkurrieren fünf Modelle um dieselbe Aufgabe — und werden regelmäßig verwechselt.

Besonders häufig ist die Verwechslung mit dem Interim CFO. Der Unterschied ist der Anlass: Ein Interim CFO füllt eine Lücke, meist in Vollzeit und meist unter Druck — der bisherige CFO ist gegangen, eine Transaktion steht an, eine Krise muss gemanagt werden. Ein Fractional CFO füllt keine Lücke, sondern eine Rolle, die es vorher nie gab.

Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zum Steuerberater. In Deutschland sind bestimmte Tätigkeiten — die Erstellung von Steuererklärungen, die steuerliche Vertretung gegenüber dem Finanzamt — nach dem Steuerberatungsgesetz ausschließlich den dafür zugelassenen Berufsträgern vorbehalten. Ein Fractional CFO ersetzt den Steuerberater also nicht und darf es auch nicht. Die beiden Rollen arbeiten nebeneinander.

Wann sich das Modell lohnt

Es gibt keinen Umsatzwert, ab dem ein Fractional CFO plötzlich sinnvoll wird. Der Bedarf entsteht nicht aus der Größe, sondern aus der Komplexität — und die wächst in Stufen.

Verlässlicher als jede Umsatzgrenze sind konkrete Auslöser. Wenn mehrere davon gleichzeitig zutreffen, ist der Zeitpunkt meist gekommen:

  • Eine Finanzierungsrunde, ein Bankkredit oder eine Förderung steht an, und niemand kann die Planung erstellen, die dafür verlangt wird.
  • Das Unternehmen ist profitabel, aber ständig knapp bei Kasse — ein klassisches Zeichen dafür, dass Working Capital nicht gesteuert wird.
  • Die Geschäftsführung verbringt mehr Zeit mit Tabellen als mit dem Geschäft.
  • Es gibt einen Beirat, Investoren oder Mitgesellschafter, die regelmäßig Berichte erwarten.
  • Ein Zukauf, ein Verkauf oder eine Nachfolge steht im Raum.
  • Preise wurden seit Jahren nicht systematisch überprüft.

Umgekehrt gibt es Situationen, in denen das Modell nicht hilft: Wenn die Grunddaten nicht stimmen, wenn niemand im Unternehmen Zeit hat, zuzuarbeiten, oder wenn eigentlich eine operative Kraft fehlt und keine strategische. Ein CFO, der seine Tage mit dem Sortieren von Belegen verbringt, ist der teuerste Buchhalter des Landes.

Wie ein Mandat abläuft

Seriöse Mandate folgen einem erkennbaren Muster. Wer im ersten Gespräch bereits Lösungen präsentiert bekommt, sollte skeptisch werden — vor der Diagnose kommt die Bestandsaufnahme.

Auffällig an diesem Ablauf: In den ersten Wochen entsteht kaum etwas, das nach außen sichtbar wäre. Das ist normal und sogar notwendig. Die Arbeit besteht zunächst darin, überhaupt eine verlässliche Grundlage herzustellen. Erst danach kann geplant werden.

Woher der wirtschaftliche Nutzen kommt

Die Frage "Rechnet sich das?" lässt sich seriös nur mit einer Gegenfrage beantworten: Woran genau soll es sich rechnen? Ein CFO produziert nichts, das man verkaufen kann. Sein Beitrag entsteht an anderer Stelle.

Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Rechnung dazu. Erstens wirken die Hebel nur, wenn sie noch nicht gezogen wurden — ein Unternehmen mit sauberem Mahnwesen holt aus dem ersten Punkt nichts mehr heraus. Zweitens brauchen die meisten Effekte Zeit. Preisanpassungen wirken über Vertragslaufzeiten, verbesserte Zahlungsziele über Kundenbeziehungen. Wer nach drei Monaten eine Bilanzverbesserung erwartet, wird enttäuscht.

Der schwerer messbare Teil ist oft der wichtigere: Entscheidungen, die nicht getroffen wurden. Die Investition, die nach ehrlicher Durchrechnung unterblieb. Der Großauftrag, der zu einem Preis abgelehnt wurde, bei dem er Geld gekostet hätte. Diese Beiträge tauchen in keiner Erfolgsrechnung auf.

Woran man Qualität erkennt

"Fractional CFO" ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Es gibt keine Kammer, keine Prüfung und keine Zulassung. Wer sich so nennen möchte, darf das — die Prüfung liegt vollständig beim Unternehmen.

Drei Fragen trennen im Erstgespräch zuverlässig die Spreu vom Weizen:

  1. "Welche Zahlen brauchen Sie von uns, bevor Sie überhaupt etwas sagen können?" Wer diese Frage nicht präzise beantwortet, arbeitet mit Textbausteinen.
  2. "Was soll nach 90 Tagen fertig sein?" Eine gute Antwort ist konkret und überprüfbar, keine Absichtserklärung.
  3. "Wann brauchen Sie uns nicht mehr?" Wer darauf keine Antwort hat, plant ein dauerhaftes Mandat — was legitim sein kann, aber offen gesagt werden sollte.

Ebenso wichtig ist die Frage nach dem, was nicht zum Leistungsumfang gehört. Ein seriöser Anbieter grenzt von sich aus ab: keine Steuererklärungen, keine laufende Buchhaltung, keine Rechtsberatung.

Vertragliche Punkte, die geregelt sein sollten

  • Umfang in Tagen, nicht in Stunden — und was passiert, wenn mehr anfällt.
  • Erreichbarkeit zwischen den Einsatztagen: Antwortzeit statt "bei Bedarf".
  • Vertretung, falls die Person ausfällt.
  • Verschwiegenheit und Datenzugriff, inklusive Zugriffsrechten auf Systeme.
  • Wettbewerbsklausel — arbeitet die Person auch für direkte Wettbewerber?
  • Kündigungsfrist und Übergabe: Was passiert mit Modellen und Dateien am Ende?

Häufige Fragen

Ist ein Fractional CFO für die Zahlen haftbar? Die Haftung richtet sich nach dem Vertrag und der Rolle. Solange keine Organstellung (etwa als Geschäftsführer) übernommen wird, handelt es sich um eine Dienstleistung mit den üblichen Sorgfaltspflichten. Wer eine weitergehende Verantwortung erwartet, muss das ausdrücklich vereinbaren — und sollte die Berufshaftpflicht prüfen.

Wie viele Unternehmen betreut so jemand parallel? Üblich sind drei bis sechs Mandate. Deutlich mehr geht zulasten der Tiefe, deutlich weniger macht das Modell für den Anbieter unwirtschaftlich.

Ersetzt das die eigene Finanzabteilung? Nein — im Gegenteil. Ein gutes Mandat baut interne Strukturen auf. Der Fractional CFO ist dann eine Übergangslösung, die sich planmäßig verkleinert.

Was, wenn wir gar keine sauberen Zahlen haben? Dann ist das die erste Aufgabe. Realistisch sind dafür ein bis drei Monate — und in dieser Phase entsteht noch keine Steuerung, sondern nur die Voraussetzung dafür.

Fazit

Ein Fractional CFO ist keine günstige Variante eines CFO, sondern eine andere Antwort auf dieselbe Frage: Wer trifft im Unternehmen die finanziellen Entscheidungen auf Basis belastbarer Zahlen?

Für Unternehmen zwischen etwa einer und zwanzig Millionen Euro Umsatz ist das Modell oft die einzige realistische Möglichkeit, an diese Kompetenz zu kommen — weil eine Vollzeitstelle weder finanzierbar noch ausgelastet wäre.

Drei Dinge entscheiden über den Erfolg: eine funktionierende Buchhaltung als Grundlage, ein klar umrissener Auftrag mit überprüfbarem Ergebnis nach 90 Tagen, und die Bereitschaft im Unternehmen, zuzuarbeiten. Fehlt eines davon, wird auch der beste Kandidat wenig ausrichten.