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Liquidität berechnen

Liquidität berechnen heißt zwei Rechnungen: den Bestand zu einem Stichtag und die Reichweite nach vorn. Formeln, ein Beispiel und wo die Bilanzkennzahlen aufhören.

Liquidität berechnen heißt zwei verschiedene Rechnungen, nicht eine: den verfügbaren Bestand zu einem Stichtag — und die Reichweite, also wie lange dieser Bestand bei den laufenden Ein- und Auszahlungen hält. Die erste Rechnung beschreibt einen Tag, die zweite die nächsten Monate.

Wer nach einer Formel für „Liquidität berechnen" sucht, bekommt fast immer nur die erste. Sie ist auch die einfachere — und sie beantwortet nicht die Frage, wegen der man rechnet: Reicht das Geld?

Die zwei Rechnungen im Vergleich

BestandReichweite
FrageWas ist heute verfügbar?Wie lange hält das?
BlickrichtungStichtag, rückwärtsZeitraum, vorwärts
DatenquelleKontostand, Kreditlinie, offene Zahlungengeplante Ein- und Auszahlungen
Ergebnisein Betrag in Euroeine Anzahl Monate
Wird knapp beiakuter ZahlungsplanungEinstellungen, Investitionen, Bankgespräch

Beide brauchst du. Der Bestand sagt, ob die Überweisung von morgen durchgeht. Die Reichweite sagt, ob du im Herbst noch handlungsfähig bist.

Den verfügbaren Bestand berechnen

Verfügbare Liquidität = Bankguthaben + Kassenbestand + freie Kreditlinie − bereits freigegebene, aber noch nicht abgebuchte Zahlungen

Die beiden hinteren Posten machen den Unterschied zwischen dieser Rechnung und einem Blick aufs Online-Banking. Eine nicht ausgeschöpfte Kontokorrentlinie ist verfügbares Geld, auch wenn sie auf keinem Kontoauszug als Guthaben steht. Und eine Lohnzahlung, die am Monatsende freigegeben ist, aber erst in drei Tagen abgebucht wird, ist bereits weg — sie steht nur noch da.

Genau diese Aufstellung, um Fälligkeiten ergänzt, ist der Liquiditätsstatus.

Die Reichweite berechnen

Reichweite in Monaten = verfügbare Liquidität ÷ durchschnittlicher monatlicher Abfluss

Der Abfluss ist die Differenz aus Auszahlungen und Einzahlungen, nicht die Summe der Kosten. Solange mehr hereinkommt als hinausgeht, gibt es keine Reichweite im Sinne dieser Formel — dann ist die interessante Zahl der Aufbau, nicht der Abbau.

Zwei Dinge verfälschen das Ergebnis regelmäßig:

  • Ein zu kurzer Durchschnitt. Über drei Monate gerechnet fallen Umsatzsteuer-Vorauszahlung, Versicherungen und Boni je nach Zeitraum ganz hinein oder ganz heraus. Zwölf Monate sind belastbarer.
  • Der Durchschnitt selbst. Er verteilt, was in Wirklichkeit an bestimmten Tagen passiert. Eine Reichweite von sechs Monaten hilft nicht, wenn am 15. des kommenden Monats eine Zahlung fällig wird, die den Bestand allein aufbraucht.

Für die schnelle Rechnung reicht der Liquiditätsrechner: Kontostand, laufende Einzahlungen, laufende Auszahlungen — heraus kommt die Reichweite in Monaten und der Kontostand über zwölf Monate.

Ein Beispiel

Die folgenden Zahlen sind ein erfundenes Rechenbeispiel.

Ein Betrieb hat 45.000 € auf dem Konto und eine freie Kreditlinie von 25.000 €. Zwei freigegebene Zahlungen über zusammen 10.000 € sind noch nicht abgebucht.

  • Verfügbarer Bestand = 45.000 + 25.000 − 10.000 = 60.000 €

Im Durchschnitt der letzten zwölf Monate kamen 95.000 € herein und gingen 108.000 € hinaus.

  • Monatlicher Abfluss = 108.000 − 95.000 = 13.000 €
  • Reichweite = 60.000 ÷ 13.000 ≈ 4,6 Monate

Der Bestand allein hätte beruhigt gewirkt. Die zweite Rechnung setzt eine Frist, und erst die macht aus einer Zahl eine Entscheidung.

Die Kennzahlen aus der Bilanz

Neben diesen beiden Rechnungen gibt es die klassischen Bilanzkennzahlen: Liquidität 1., 2. und 3. Grades, im Englischen Cash Ratio, Quick Ratio und Current Ratio. Sie setzen Teile des Umlaufvermögens ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten und sind das, was eine Bank im Jahresabschluss ansieht.

Formeln, welche Bilanzposten hineingehören, ein durchgerechnetes Beispiel und die Richtwerte mit Quelle stehen auf der eigenen Seite dazu: Liquiditätsgrade 1, 2 und 3.

Der Unterschied zu den Rechnungen oben in einem Satz: Die Liquiditätsgrade beschreiben ein Verhältnis an einem Stichtag, die Reichweite beschreibt einen Verlauf. Für ein Bankgespräch brauchst du die erste Sicht, für den laufenden Monat die zweite.

Was die Rechnung im Alltag kaputt macht

  • Der Kontostand als einzige Quelle. Kreditlinie und freigegebene Zahlungen fehlen dort, und beide bewegen den verfügbaren Bestand um fünfstellige Beträge.
  • Umsatz statt Zahlungseingang. Eine gestellte Rechnung ist kein Geld. Zwischen Leistung und Eingang liegen Zahlungsziel plus Verzug.
  • Die Umsatzsteuer als eigenes Geld. Vereinnahmte Umsatzsteuer liegt auf dem Konto und gehört dem Finanzamt. Wer sie mitzählt, rechnet sich reicher, als er ist.
  • Einmal rechnen. Eine Liquiditätsrechnung altert innerhalb von Tagen. Sie ist ein Vorgang, keine Datei.

Wie daraus eine laufende Planung statt einer Momentaufnahme wird, steht im Leitfaden zur Liquiditätsplanung.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man die verfügbare Liquidität?

Verfügbare Liquidität = Bankguthaben + Kassenbestand + freie Kreditlinie − bereits freigegebene, aber noch nicht abgebuchte Zahlungen. Der Kontostand allein reicht nicht: Eine nicht ausgeschöpfte Kreditlinie ist verfügbares Geld, eine freigegebene Lohnzahlung dagegen bereits gebunden.

Wie berechnet man die Liquiditätsreichweite?

Reichweite in Monaten = verfügbare Liquidität ÷ durchschnittlicher monatlicher Abfluss. Der Abfluss ist die Differenz aus Auszahlungen und Einzahlungen. Bei 60.000 € verfügbarer Liquidität und 13.000 € Abfluss pro Monat ergibt das rund 4,6 Monate.

Welchen Zeitraum sollte man für den Durchschnitt nehmen?

Zwölf Monate. Über drei Monate gerechnet fallen Umsatzsteuer-Vorauszahlungen, Versicherungsbeiträge und Sonderzahlungen je nach Zeitraum vollständig hinein oder vollständig heraus, und das Ergebnis schwankt stärker als das Geschäft.

Was ist der Unterschied zwischen Liquidität berechnen und den Liquiditätsgraden?

Die Liquiditätsgrade sind Bilanzkennzahlen und beschreiben ein Verhältnis an einem Stichtag. Die Berechnung von Bestand und Reichweite arbeitet mit Zahlungen und beschreibt einen Verlauf. Die Grade sagen, wie eine Bilanz zum Abschlussstichtag aussah; die Reichweite sagt, wie lange das Geld reicht.

Gehört die Umsatzsteuer in die Liquiditätsrechnung?

Sie liegt auf dem Konto, gehört aber dem Finanzamt und fließt zum nächsten Voranmeldungstermin ab. In der Bestandsrechnung taucht sie deshalb als kommende Auszahlung auf, nicht als verfügbares Geld. Wer sie als Guthaben mitzählt, rechnet die eigene Liquidität systematisch zu hoch.