SKR03 vs. SKR04: Unterschied, Kontenklassen und Gegenüberstellung
SKR03 und SKR04 enthalten dieselben Konten, nur anders sortiert. Die zehn Kontenklassen im Vergleich, über 30 Konten gegenübergestellt — und warum 1200 im SKR03 das Bankkonto und im SKR04 eine Forderung ist.
Marcus Smolarek
Gründer von finban
Zuletzt aktualisiert
Inhalt
Auf einen Blick: Ein Kontenrahmen ist das Verzeichnis aller Konten, auf denen ein Unternehmen bucht. SKR03 und SKR04 sind die beiden DATEV-Standards in Deutschland. Sie enthalten weitgehend dieselben Konten — sie sortieren sie nur nach unterschiedlichen Prinzipien: der SKR03 nach dem Geschäftsablauf, der SKR04 nach der Gliederung von Bilanz und GuV. Wer bilanziert, fährt meist mit dem SKR04 besser; Einzelunternehmen und kleine Betriebe finden im SKR03 den vertrauteren Aufbau. Entscheide es einmal mit deiner Steuerberatung — und bleib dann dabei.
Der Unterschied in einem Satz
Der SKR03 ist nach dem Prozessgliederungsprinzip aufgebaut: Die Konten folgen grob dem betrieblichen Ablauf — erst das Anlagevermögen, dann Geld und Bank, dann der Wareneingang, dann die Aufwendungen, ganz am Ende die Erlöse.
Der SKR04 folgt dem Abschlussgliederungsprinzip: Die Konten stehen in der Reihenfolge, in der sie später in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung auftauchen — erst die Aktiva, dann die Passiva, dann Erträge, dann Aufwendungen.
Inhaltlich kommt in beiden Fällen dasselbe heraus. Der Unterschied ist die Sortierung, und die entscheidet, wie kurz der Weg von der Buchung zum Jahresabschluss ist. Beide Rahmen setzen die doppelte Buchführung voraus — jeder Vorgang braucht ein Konto und ein Gegenkonto.
Die zehn Kontenklassen nebeneinander
Jede Kontonummer hat vier Stellen, und die erste sagt, in welche Klasse das Konto gehört. Genau hier liegt der ganze Unterschied zwischen den beiden Rahmen:
| Klasse | SKR03 (Prozessgliederung) | SKR04 (Abschlussgliederung) |
|---|---|---|
| 0 | Anlage- und Kapitalkonten | Anlagevermögen und langfristige Verbindlichkeiten |
| 1 | Finanz- und Privatkonten | Umlaufvermögen |
| 2 | Abgrenzungskonten (neutrale Aufwendungen und Erträge) | Eigenkapital und Rücklagen |
| 3 | Wareneingangs- und Bestandskonten | Fremdkapital: Verbindlichkeiten, Rückstellungen, Umsatzsteuer |
| 4 | Betriebliche Aufwendungen | Betriebliche Erträge |
| 5 | frei für eigene Zwecke | Waren- und Materialeinsatz |
| 6 | frei für eigene Zwecke | Personal- und sonstiger betrieblicher Aufwand |
| 7 | Bestände an Erzeugnissen | Weitere Erträge und Aufwendungen, Zinsen, Steuern |
| 8 | Erlöskonten | Eröffnungs- und Abschlusskonten |
| 9 | Vortragskonten und statistische Konten | Vortrags- und statistische Konten |
Daran lässt sich die Logik beider Rahmen ablesen. Im SKR03 stehen Aufwand (4) und Erlös (8) weit auseinander, weil dazwischen der Prozess liegt. Im SKR04 stehen Erträge (4) direkt vor den Aufwendungen (5 bis 7) — so, wie sie in der GuV untereinander stehen.
Dieselbe Nummer, ein anderes Konto
Das ist der Punkt, an dem es in der Praxis teuer wird: Eine Kontonummer ohne Angabe des Kontenrahmens bedeutet gar nichts. Vier Beispiele aus dem Bereich, in dem am häufigsten gebucht wird:
| Nummer | im SKR03 | im SKR04 |
|---|---|---|
| 1000 | Kasse | Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (Bestand) |
| 1200 | Bankkonto | Forderungen aus Lieferungen und Leistungen |
| 1600 | Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | Kasse |
| 1800 | Privatentnahme allgemein | Bank |
„Buch das auf 1200" ist deshalb keine Anweisung, sondern eine Fehlerquelle. Wer Belege zwischen zwei Betrieben, Beratungen oder Programmen hin- und herschiebt, muss den Rahmen immer mitnennen.
Die wichtigsten Konten gegenübergestellt
Die Konten, die in fast jedem Betrieb vorkommen — einmal in beiden Rahmen:
| Vorgang | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|
| Kasse | 1000 | 1600 |
| Bank | 1200 | 1800 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 1400 | 1200 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 1600 | 3300 |
| Sonstige Verbindlichkeiten | 1700 | 3500 |
| Abziehbare Vorsteuer 19 % | 1576 | 1406 |
| Abziehbare Vorsteuer 7 % | 1571 | 1401 |
| Umsatzsteuer 19 % | 1776 | 3806 |
| Umsatzsteuer 7 % | 1771 | 3801 |
| Aktive Rechnungsabgrenzung | 0980 | 1900 |
| Passive Rechnungsabgrenzung | 0990 | 3900 |
| Erlöse 19 % USt | 8400 | 4400 |
| Erlöse 7 % USt | 8300 | 4300 |
| Wareneingang | 3200 | 5200 |
| Bezugsnebenkosten | 3800 | 5800 |
| Gehälter | 4120 | 6020 |
| Gesetzliche soziale Aufwendungen | 4130 | 6110 |
| Miete | 4210 | 6310 |
| Werbekosten | 4610 | 6600 |
| Reisekosten Unternehmer | 4670 | 6670 |
| Porto | 4910 | 6800 |
| Telefon | 4920 | 6805 |
| Bürobedarf | 4930 | 6815 |
| Fortbildungskosten | 4945 | 6821 |
| Buchführungskosten | 4955 | 6830 |
| Nebenkosten des Geldverkehrs | 4970 | 6855 |
| Abschreibungen auf Sachanlagen | 4830 | 6220 |
| Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter | 4855 | 6260 |
| Kfz-Versicherungen | 4520 | 6520 |
| Kfz-Reparaturen | 4540 | 6540 |
| Zinsaufwendungen für kurzfristige Verbindlichkeiten | 2110 | 7310 |
Es gibt keine Umrechnungsformel
Eine der häufigsten Suchanfragen zum Thema lautet sinngemäß „Konto 4900 aus dem SKR03 — welche Nummer ist das im SKR04?". Die ehrliche Antwort: Das lässt sich nicht ausrechnen.
An der Tabelle oben sieht man warum. Die Kfz-Versicherung wandert von 4520 auf 6520, also genau um 2000 nach oben. Die Kfz-Reparatur von 4540 auf 6540, ebenfalls um 2000. Die sonstigen Kfz-Kosten aber von 4580 auf 6570 — um 1990. Und die Gehälter von 4120 auf 6020, um 1900. Es gibt kein Muster, das trägt.
Wer eine vollständige Zuordnung braucht, holt sich die Gegenüberstellung direkt bei DATEV; die Kontenrahmen werden dort jährlich aktualisiert und stehen zum Herunterladen bereit. Jede Buchhaltungssoftware bringt die Zuordnung ebenfalls mit — das ist auch der Grund, warum ein Rahmenwechsel kein Abtippen ist, sondern eine Umschlüsselung im Programm. Wie das im DATEV-Rechnungswesen zusammenhängt, steht an anderer Stelle.
Kontenrahmen ist nicht Kontenplan
Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt, und der Unterschied ist einfach:
- Der Kontenrahmen ist das vollständige Verzeichnis aller denkbaren Konten — mehrere tausend, branchenübergreifend gedacht. SKR03 und SKR04 sind Kontenrahmen.
- Der Kontenplan ist der Auszug daraus, den dein Betrieb tatsächlich benutzt. Er entsteht bei der Einrichtung der Buchhaltung und umfasst in einem kleinen Unternehmen oft nur 50 bis 150 Konten.
Du wählst also einen Kontenrahmen und arbeitest anschließend mit einem Kontenplan. Wächst der Betrieb, kommen einzelne Konten dazu — der Rahmen bleibt derselbe.
Welcher passt zu dir
| Situation | Eher | Warum |
|---|---|---|
| Einzelunternehmen, kleiner Betrieb | SKR03 | Der Aufbau folgt dem Arbeitsablauf; die meisten Buchhaltungskräfte kennen ihn auswendig |
| GmbH, UG, AG — alles, was bilanziert | SKR04 | Die Kontenreihenfolge ist bereits die Bilanzreihenfolge; der Weg zum Abschluss ist kürzer |
| Holding oder mehrere Gesellschaften | SKR04 | Einheitliche Gliederung über alle Gesellschaften macht den Vergleich überhaupt erst möglich |
| Handel mit Warenbestand | beides möglich | Der SKR03 hält Wareneingang und Bestand in einer Klasse zusammen, was manche Betriebe bevorzugen |
| Steuerberatung arbeitet seit Jahren mit einem Rahmen | dieser | Der Aufwand einer Umstellung steht selten im Verhältnis zum Nutzen |
Die letzte Zeile ist in der Praxis die wichtigste. Die Wahl ist keine betriebswirtschaftliche Entscheidung mit einem richtigen Ergebnis, sondern eine Abstimmung mit den Menschen, die später damit arbeiten. Frag deine Steuerberatung, bevor du dich festlegst — das ist auch die einzige Stelle, an der dieser Rat rechtlich gegeben werden darf.
SKR03 und SKR04 sind nicht die einzigen
Für Branchen, deren Geschäft sich mit den beiden Standards schlecht abbilden lässt, veröffentlicht DATEV eigene Rahmen. Auf ihrer Übersichtsseite nennt sie unter anderem:
- SKR 14 — land- und forstwirtschaftliche Betriebe
- SKR 42 — gemeinnützige Organisationen, Vereine und Stiftungen
- SKR 51 — das Kfz-Gewerbe
Für die allermeisten Unternehmen sind SKR03 und SKR04 trotzdem die einzigen zwei Optionen, über die überhaupt entschieden werden muss.
Den Rahmen wechseln: was dazugehört
Technisch ist ein Wechsel möglich, und er wird üblicherweise zum Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres gemacht — mitten im Jahr entstünde ein Geschäftsjahr mit zwei Kontenlogiken, das sich nicht sinnvoll auswerten lässt.
Was daran Arbeit macht, ist nicht die Umstellung selbst, sondern alles, was am alten Rahmen hängt: Buchungsvorlagen, wiederkehrende Buchungen, Regeln für die automatische Kontierung, Auswertungen und Berichte, die auf Kontonummern verweisen, und die Vorjahresvergleiche. Dazu die Schnittstellen zu anderen Programmen, sofern dort Kontonummern hinterlegt sind, und die Konten, aus denen sich die Umsatzsteuervoranmeldung speist.
Deshalb gilt: einmal entscheiden, früh entscheiden, dann dabei bleiben. Die Planung eines Wechsels gehört in die Hände deiner Steuerberatung.
Was ein Kontenrahmen nicht leistet
Ein Kontenrahmen ordnet, was passiert ist. Er sagt dir nach dem Monatsabschluss, wofür Geld ausgegeben wurde und woher es kam. Was er nicht sagt: was in drei Monaten auf dem Konto steht.
Genau diese Lücke ist der Grund, warum so viele Betriebe neben der Buchhaltung noch eine Tabelle führen. Die Liquiditätsplanung arbeitet nicht mit Kontonummern, sondern mit Kategorien und erwarteten Zahlungsterminen — und beide Systeme müssen dieselben Zahlen meinen, ohne dass jemand sie von Hand überträgt.
In finban laufen Bankkonten und Buchhaltung zusammen und werden nach vorne gerechnet. Lexware Office und sevdesk sind dafür nativ angebunden, offene Posten aus DATEV kommen per Datei-Import dazu. Welchen Kontenrahmen deine Buchhaltung benutzt, ändert daran nichts: Geplant wird in eigenen Kategorien, nicht auf Konten.
Häufig gestellte Fragen
Wofür steht die Abkürzung SKR?
SKR steht für Standardkontenrahmen. Die Nummer dahinter bezeichnet den jeweiligen Rahmen — SKR03 und SKR04 sind die beiden allgemeinen Standards von DATEV, daneben gibt es branchenspezifische wie den SKR 14 für die Land- und Forstwirtschaft.
Was ist der Unterschied zwischen SKR03 und SKR04?
Die Sortierung, nicht der Inhalt. Der SKR03 ordnet die Konten nach dem Geschäftsablauf (Prozessgliederungsprinzip), der SKR04 nach der Reihenfolge in Bilanz und GuV (Abschlussgliederungsprinzip). Dieselbe Buchung führt in beiden Rahmen zum selben Ergebnis, nur unter einer anderen Kontonummer.
Welcher Kontenrahmen passt für ein Einzelunternehmen?
In der Praxis meist der SKR03. Einzelunternehmen erstellen häufig eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung statt einer Bilanz — der Vorteil des SKR04, näher an der Bilanzgliederung zu liegen, greift dann gar nicht. Verbindlich ist das nicht: Auch ein Einzelunternehmen kann den SKR04 nutzen.
Welcher Kontenrahmen passt für eine GmbH oder UG?
Meist der SKR04. Kapitalgesellschaften sind bilanzierungspflichtig, und beim SKR04 stehen die Konten bereits in der Reihenfolge, in der sie in der Bilanz auftauchen. Das verkürzt den Weg zum Jahresabschluss und macht Auswertungen leichter lesbar.
Brauche ich als Kleinunternehmer oder Freiberufler überhaupt einen Kontenrahmen?
Vorgeschrieben ist er nicht, wenn du keine Bilanz erstellst. Sinnvoll ist er trotzdem: Auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung wird mit einer festen Kontenstruktur vergleichbar — über Jahre hinweg und gegenüber deiner Steuerberatung. Jede gängige Buchhaltungssoftware bringt ohnehin einen Kontenrahmen mit.
Kann ich den Kontenrahmen später wechseln?
Ja, üblicherweise zum Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres. Aufwendig ist nicht die Umstellung selbst, sondern was daran hängt: Buchungsvorlagen, Kontierungsregeln, Auswertungen und Vorjahresvergleiche. Plane einen Wechsel mit deiner Steuerberatung.
Gibt es eine Formel, um eine SKR03-Nummer in SKR04 umzurechnen?
Nein. Die Abstände sind unregelmäßig: Kfz-Versicherungen wandern von 4520 auf 6520 (plus 2000), sonstige Kfz-Kosten von 4580 auf 6570 (plus 1990), Gehälter von 4120 auf 6020 (plus 1900). Für eine vollständige Zuordnung brauchst du die Gegenüberstellung von DATEV oder die Umschlüsselung in deiner Buchhaltungssoftware.
Welche Konten braucht ein kleines Unternehmen mindestens?
Bank und Kasse, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Umsatzsteuer und Vorsteuer, ein oder zwei Erlöskonten je Steuersatz sowie die Aufwandskonten für Personal, Raum, Fahrzeug und Büro. Das sind die Zeilen der Tabelle oben — und in kleinen Betrieben bereits der größte Teil des tatsächlich genutzten Kontenplans.
Sind SKR03 und SKR04 die einzigen Kontenrahmen?
Nein. DATEV veröffentlicht daneben branchenspezifische Rahmen, unter anderem den SKR 14 für land- und forstwirtschaftliche Betriebe, den SKR 42 für gemeinnützige Organisationen und den SKR 51 für das Kfz-Gewerbe. Für die meisten Unternehmen stehen aber nur SKR03 und SKR04 zur Wahl.