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Konsolidierungssoftware

Marcus Smolarek

Marcus Smolarek

Gründer von finban

Zuletzt aktualisiert

Auf einen Blick: Unter „Konsolidierungssoftware" laufen zwei völlig verschiedene Werkzeuge. Das eine erstellt den Konzernabschluss nach HGB oder IFRS — mit Kapital-, Schulden- und Ertragskonsolidierung, prüfbar durch den Wirtschaftsprüfer. Das andere führt Einnahmen, Ausgaben und Liquidität aller Gesellschaften zu einer tagesaktuellen Sicht zusammen, aus der entschieden wird. Beide heißen Konsolidierung, beide werden gebraucht, und keines ersetzt das andere. Wer das verwechselt, kauft ein Abschlusswerkzeug und wundert sich, dass es die Frage „reicht das Geld in Gesellschaft B bis Ende Oktober?" nicht beantwortet.

Konsolidierte Gesamtübersicht über mehrere Gesellschaften in finban

Konsolidierung meint zwei verschiedene Dinge

Der Begriff kommt aus dem Rechnungswesen, wird im Alltag aber für zwei Aufgaben benutzt, die wenig miteinander zu tun haben. Das erklärt, warum Anbieterlisten für „Konsolidierungssoftware" so widersprüchlich aussehen: Auf derselben Liste stehen Werkzeuge, die für einen testierten Konzernabschluss gebaut sind, neben solchen, die Bankkonten mehrerer Firmen in einer Ansicht zeigen.

Bilanzielle Konsolidierung: der Konzernabschluss

Hier wird aus den Einzelabschlüssen mehrerer rechtlich selbständiger Gesellschaften ein Abschluss, der die Gruppe so darstellt, als wäre sie ein einziges Unternehmen. Die Rechtsgrundlage steht in §§ 290 ff. HGB, international in IFRS 10.

Damit das Bild stimmt, müssen konzerninterne Vorgänge herausgerechnet werden — sonst zählt jeder Euro doppelt, der zwischen den Gesellschaften hin- und hergeschoben wurde:

  • Kapitalkonsolidierung — die Beteiligung der Mutter an der Tochter wird gegen deren Eigenkapital verrechnet.
  • Schuldenkonsolidierung — Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Gruppengesellschaften heben sich auf.
  • Aufwands- und Ertragskonsolidierung — Innenumsätze verschwinden, weil die Gruppe mit sich selbst keinen Umsatz macht.
  • Zwischenergebniseliminierung — Gewinne aus konzerninternen Lieferungen werden erst realisiert, wenn nach außen verkauft wird.

Das Ergebnis ist ein Dokument mit Stichtag, das geprüft wird. Der Aufwand ist entsprechend: Kontenmapping, einheitliche Bilanzierungsregeln, Währungsumrechnung, Nachvollziehbarkeit jeder Buchung.

Ob deine Gruppe überhaupt zur Aufstellung verpflichtet ist, hängt an den Größenmerkmalen in § 293 HGB und an der Rechtsform. Diese Schwellen wurden in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben — die verbindliche Auskunft dazu gibt dein Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater, nicht eine Software-Übersicht.

Operative Konsolidierung: die Gruppensicht auf Liquidität

Hier geht es nicht um einen Abschluss, sondern um eine Entscheidungsgrundlage. Die Frage lautet: Wie viel Geld hat die Gruppe, wo liegt es, und wie entwickelt es sich?

Dafür werden die Bankkonten, Einnahmen, Ausgaben und Prognosen aller Gesellschaften zusammengeführt — nicht nach Stichtag, sondern laufend. Typische Fragen, die diese Sicht beantwortet:

  • Die Holding hat Liquidität, die Betriebsgesellschaft braucht sie. Wie viel ist gerade wo?
  • Welche Gesellschaft läuft in den nächsten acht Wochen in eine Lücke?
  • Wie sieht der Cashflow der Gruppe aus, wenn ein großer Kunde 30 Tage später zahlt?
  • Welche Kostenstelle zieht über alle Gesellschaften hinweg das meiste Geld?

Das ist keine Rechnungslegung. Es hat keinen Stichtag, wird nicht geprüft und muss nicht IFRS-konform sein. Es muss aktuell sein.

Warum die Verwechslung teuer wird

Ein Konzernabschluss entsteht nach dem Monats- oder Jahresende. Er beschreibt, was war. Eine Gruppe, die nur dieses Werkzeug hat, erfährt Liquiditätsprobleme mit Verzögerung — und zwar genau dann, wenn sie nicht mehr zu lösen sind.

Umgekehrt gilt dasselbe: Wer eine tagesaktuelle Cash-Sicht über alle Gesellschaften hat, hat damit keinen Konzernabschluss und darf auch keinen daraus ableiten. Die Zahlen sind für einen anderen Zweck aufbereitet.

Welche der beiden brauchst du?

Wenn das zutrifftDu brauchst
Ihr seid zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtetBilanzielle Konsolidierung
Der Wirtschaftsprüfer verlangt nachvollziehbare EliminierungenBilanzielle Konsolidierung
Ihr bilanziert nach mehreren Standards (HGB und IFRS)Bilanzielle Konsolidierung
Investoren oder Banken verlangen einen GruppenabschlussBilanzielle Konsolidierung
Du willst wissen, wie viel Geld die Gruppe heute hatOperative Gruppensicht
Geld soll zwischen Gesellschaften bewegt werdenOperative Gruppensicht
Jede Gesellschaft plant für sich, niemand sieht das GanzeOperative Gruppensicht
Die Gruppensicht entsteht heute monatlich in ExcelOperative Gruppensicht

Die meisten Gruppen ab der zweiten Gesellschaft brauchen die operative Sicht sofort und die bilanzielle erst, wenn eine Pflicht oder ein Kapitalgeber sie erzwingt. Verpflichtete Konzerne brauchen beide — und setzen sie nebeneinander ein.

Die Anbieter und wofür sie gebaut sind

Die folgende Einordnung gibt wieder, wie die Anbieter sich selbst beschreiben. Sie ersetzt keine Auswahl und enthält bewusst keine Preise: Anbieterpreise ändern sich häufig, und eine veraltete Zahl auf einer Vergleichsseite hilft niemandem.

AnbieterBeschreibt sich alsSchwerpunkt
LucaNetKonsolidierungssoftware für das Konzerncontrolling, Multi-GAAPKonzernabschluss
CCH TagetikKonsolidierung für komplexe KonzernstrukturenKonzernabschluss
JedoxKonsolidierungssoftware für den Konzernabschluss, revisionssicherKonzernabschluss + Planung
insightsoftware IDLKonsolidierung und ReportingKonzernabschluss
SAP S/4HANA Group ReportingFinanzdaten auf Gruppenebene konsolidierenKonzernabschluss
elKomKONSKonzernabschluss mit Fokus HGB, IFRS, US-GAAPKonzernabschluss
AgicapCashflow- und Liquiditätskonsolidierung für GruppenOperative Gruppensicht
finbanKonsolidierte Liquiditäts- und Cashflow-Sicht über alle GesellschaftenOperative Gruppensicht

Auffällig an dieser Liste: Die untere Hälfte konkurriert nicht mit der oberen. Werkzeuge für die operative Gruppensicht werden regelmäßig neben einer bestehenden Konsolidierungslösung eingesetzt, nicht statt ihr.

Auswahlkriterien, die im Alltag zählen

Unabhängig davon, welche der beiden Arten du suchst, entscheiden dieselben vier Dinge darüber, ob das Werkzeug im Betrieb ankommt:

1. Wie kommen die Daten hinein. Der teuerste Teil jeder Konsolidierung ist die Datenbeschaffung, nicht die Rechnung. Prüfe konkret: Kommen die Bewegungen automatisch aus Bank und Buchhaltung, oder exportiert jemand monatlich CSV-Dateien? Bei mehreren Gesellschaften multipliziert sich jeder manuelle Schritt.

2. Wie Gesellschaften angelegt und geändert werden. Gruppenstrukturen sind nicht statisch. Eine neue Tochter, ein Verkauf, eine Umfirmierung — wenn das ein Beratungsprojekt auslöst, ist das Werkzeug für deine Größe zu schwer.

3. Wer damit arbeitet. Software für den Konzernabschluss ist für Bilanzbuchhalter gebaut und setzt deren Wissen voraus. Software für die Gruppensicht muss auch der Geschäftsführung etwas zeigen, die keine Konsolidierungslogik kennt.

4. Was am Anfang steht. Einige Anbieter dieser Kategorie starten mit Vertriebsgespräch und Einführungsprojekt, andere mit einem Zugang. Beides kann richtig sein — aber es ist ein Unterschied, ob eine Auswahl vier Wochen oder vier Monate dauert.

Was Excel bei mehreren Gesellschaften nicht mehr schafft

Fast jede Gruppensicht beginnt in einer Tabelle: pro Gesellschaft ein Reiter, monatlich zusammengefügt. Das funktioniert erstaunlich lange — und kippt an drei Stellen.

Der Stand ist immer alt. Die Zusammenführung passiert, wenn jemand Zeit hat. Zwischen zwei Durchläufen weiß niemand, wie die Gruppe steht. Bei einer Gesellschaft ist das verkraftbar, bei vier ist die Zahl im Zweifel drei Wochen alt.

Niemand sieht, was doppelt zählt. Verrechnet die Holding eine Managementgebühr an die Betriebsgesellschaft, steht derselbe Betrag zweimal in der Summe — einmal als Ertrag, einmal als Aufwand. In der Liquiditätssicht ist das keine Formalie: Es sieht nach Geld aus, das die Gruppe nicht hat.

Der Fehler wandert nach unten. Eine falsch verknüpfte Zelle in einem Reiter verändert die Gruppensumme, ohne dass etwas auffällt. Genau deshalb gibt es für den Konzernabschluss Prüfpflichten — und genau deshalb ist eine Excel-Gruppensicht als Entscheidungsgrundlage riskanter, als sie aussieht.

Für einzelne Gesellschaften und den Einstieg sind Tabellen weiterhin sinnvoll; unsere Excel-Vorlagen decken das ab. Ab der zweiten Gesellschaft verschiebt sich die Rechnung: Der Aufwand steigt mit jeder Firma, der Nutzen nicht.

Wie eine Gruppensicht praktisch entsteht

Unabhängig vom Anbieter läuft der Aufbau in vier Schritten ab. Wer sie kennt, kann bei einer Demo die richtigen Fragen stellen.

1. Jede Gesellschaft wird eigenständig angebunden. Bankkonten per Open Banking, Buchhaltung über die jeweilige Schnittstelle. Wichtig ist, dass jede Gesellschaft ihre eigenen Zugänge behält — sonst entsteht ein Sammelkonto, aus dem sich einzelne Firmen nicht mehr herauslösen lassen.

2. Die Kategorien werden vereinheitlicht. Solange Gesellschaft A „Personal" und Gesellschaft B „Löhne und Gehälter" sagt, ergibt die Summe nichts. Das ist der Schritt, an dem die meiste Handarbeit steckt, und der einzige, den man nicht überspringen kann.

3. Interne Bewegungen werden gekennzeichnet. Geld, das zwischen den eigenen Gesellschaften fließt, ist kein Umsatz und keine Ausgabe der Gruppe. Es braucht eine eigene Kennzeichnung, damit die Gesamtsumme stimmt — in finban über Money-Transit-Organisationen und ‑Kategorien.

4. Die Sicht wird gebaut. Erst danach lässt sich sinnvoll umschalten: eine Gesellschaft allein, mehrere zusammen, die ganze Gruppe. Wer diese vier Schritte kennt, erkennt in jeder Demo schnell, ob ein Werkzeug Schritt 2 und 3 ernst nimmt oder überspringt.

Wo finban steht — und wo nicht

finban macht die operative Konsolidierung: Einnahmen, Ausgaben, Bankkonten und Prognosen mehrerer Organisationen in einer gemeinsamen Sicht. Du siehst den Cashflow der Gruppe, erkennst, in welcher Gesellschaft Geld liegt und wo es fehlt, und kannst über Money-Transit-Organisationen und ‑Kategorien abbilden, wie Mittel innerhalb der Gruppe zugeordnet werden.

Ebenso deutlich, was finban nicht tut:

  • Kein Konzernabschluss. Keine Kapital-, Schulden- oder Zwischenergebniseliminierung, kein testierfähiges Ergebnis, kein Multi-GAAP.
  • Keine Zahlungsausführung. finban zeigt, wo Geld liegt und wohin es verschoben werden könnte — bewegt wird es in der Bank.

Wer zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet ist, braucht dafür ein Werkzeug aus der oberen Hälfte der Tabelle. finban steht daneben und beantwortet die Frage, die dort nicht gestellt wird: wie es der Gruppe heute geht.

Wie das konkret aussieht, zeigt die Seite Konsolidierung von Firmengruppen. Angrenzend behandeln wir Cash Pooling — den Mechanismus, mit dem Liquidität in Gruppen tatsächlich gebündelt wird — sowie Cash Management und die Liquiditätsplanung als Grundlage.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was versteht man unter Konsolidierung?

Das Zusammenführen der Zahlen mehrerer rechtlich selbständiger Gesellschaften zu einer Gesamtsicht. Im Rechnungswesen bedeutet das einen Konzernabschluss nach §§ 290 ff. HGB oder IFRS 10, bei dem konzerninterne Vorgänge herausgerechnet werden. Im Finanzalltag ist damit meist die zusammengeführte Sicht auf Einnahmen, Ausgaben und Liquidität aller Gesellschaften gemeint.

Welche Konsolidierungstools gibt es?

Für den Konzernabschluss unter anderem LucaNet, CCH Tagetik, Jedox, insightsoftware IDL, SAP Group Reporting und elKomKONS. Für die operative Gruppensicht auf Liquidität unter anderem Agicap und finban. Die beiden Gruppen lösen verschiedene Aufgaben und werden häufig nebeneinander eingesetzt.

Was bedeutet Konsolidierung in der Buchhaltung?

Dort ist die bilanzielle Konsolidierung gemeint: Kapitalkonsolidierung, Schuldenkonsolidierung, Aufwands- und Ertragskonsolidierung sowie Zwischenergebniseliminierung. Ziel ist ein Konzernabschluss, der die Gruppe wie ein einziges Unternehmen darstellt.

Welche Software für Controlling?

Das hängt an der Aufgabe. Für den Konzernabschluss die genannten Konsolidierungslösungen, für Planung und Forecast eine Planungs- oder EPM-Lösung, für die laufende Liquiditätssicht über mehrere Gesellschaften ein Cashflow-Werkzeug. Eine Übersicht steht unter Cashflow-Software und Liquiditätsplanungs-Software.

Braucht eine Holding mit zwei GmbHs eine Konsolidierungssoftware?

Für den Abschluss nur dann, wenn eine Aufstellungspflicht besteht — das richtet sich nach § 293 HGB und der Rechtsform und gehört vor den Wirtschaftsprüfer, nicht in eine Software-Entscheidung. Für die laufende Steuerung lohnt eine gemeinsame Sicht dagegen ab der zweiten Gesellschaft, weil sonst niemand sieht, ob die Gruppe als Ganzes liquide ist.

Ersetzt eine Liquiditätskonsolidierung den Konzernabschluss?

Nein. Eine konsolidierte Liquiditätssicht ist nicht nach Rechnungslegungsvorschriften aufbereitet, hat keinen Stichtag und ist nicht prüfbar. Sie beantwortet eine andere Frage.

Wie lange dauert die Einführung?

Bei Software für den Konzernabschluss ist das typischerweise ein Projekt mit Kontenmapping und abgestimmten Bilanzierungsregeln. Bei einer operativen Gruppensicht hängt es an den Schnittstellen: Sind Bankkonten und Buchhaltung direkt anbindbar, steht die erste gemeinsame Ansicht in Tagen statt Monaten.

Fazit

„Konsolidierungssoftware" ist kein Produktkategorie, sondern zwei. Die erste Frage ist deshalb nicht, welcher Anbieter der beste ist, sondern welche der beiden Aufgaben du gerade hast. Verpflichtete Konzerne brauchen ein Abschlusswerkzeug. Gruppen, die wissen wollen, wie viel Geld wo liegt und wie es sich entwickelt, brauchen eine laufende Gruppensicht. Die meisten wachsenden Unternehmensgruppen merken irgendwann, dass sie beides brauchen — nur nicht gleichzeitig und nicht in derselben Software.